Samstag, 10. November 2018

Wachau

Geburtstag: 1259
Einwohner: 1.010
Bekannt für: einen Teil des südlichen Schlachtfelds der Völkerschlacht



Das Wort „Ruine“ verursacht meistens eher negative Konnotationen. Es beschreibt ein Gebäude, dass nicht mehr für den Zweck für den es einst gebaut wurde, nutzbar ist. Es scheint rettungslos verloren und wird von der Bevölkerung oft als Schandfleck wahrgenommen. Dabei sind Ruinen an sich gar nichts Schlechtes. Denn an ihnen kann man besonders gut räumliche Veränderungen wahrnehmen. Diese gehen oft auch mit politischen Umbrüchen einher, wie z. B. Kriegen. Eine Ruine sagt über die grenzenlose Zerstörungswut kriegerischer Handlungen meist mehr aus, als ein wiedererrichtetes, saniertes oder restauriertes Gebäude. Als Erinnerungsorte sind Ruinen deshalb hervorragend geeignet. So wie zum Beispiel die Kirchenruine in Wachau bei Markkleeberg. Obwohl die Kirche deutlich älter wirkt, wurde sie in den Jahren 1865 bis 1867 nach den Plänen des Leipziger Architekten Constantin Lipsius (1832-1894) gebaut. Dabei bediente er sich des neogotischen Baustils, der heute den morbiden Charme des verfallenen Gebäudes besonders heraushebt.
Eine Pfarrkirche gab es in dem kleinen Örtchen schon seit 1393. Da Wachau Teil des südlichen Schlachtfeldes während der Völkerschlacht von 1813 war, wurde der ganze Ort stark in Mitleidenschaft gezogen. Die damalige Kirche brannte in Folge der Kämpfe um Wachau ab. Schon kurz darauf wurde wohl ein Neubau errichtet, der aber nicht lange Bestand hatte und schließlich 1865 zum Bau des heute noch bestehenden Gebäudes führte. Doch auch diese Kirche konnte ihre Gestalt nicht lange bewahren. Bereits in den Jahren 1867 und 1868 brachen während eines starken Sturmes vier der Fialen ab. Während des Zweiten Weltkrieges 1945 kamen weitere Beschädigungen durch nahe Bombeneinschläge hinzu. Eine umfangreiche Restaurierung blieb während der folgenden DDR-Zeit aus. Ein Blitzeinschlag im Jahr 1974 führte zu so starken Schäden am Dach des Kirchturmes, dass dieser im darauffolgenden Jahr komplett abgerissen werden musste. Die Trümmer des Turmes blieben bis zum Jahr 1994 im Kirchenschiff liegen. Danach folgten eine Schuttberäumung und eine Restaurierung der Kirche. Im Jahr 1997 konnte die Kirche wiedereröffnet werden und dient seitdem unter anderem als Veranstaltungsort für Konzerte. Erhalten haben sich auch ein Uhrwerk in den Turmresten und eine Glocke aus dem Jahr 1465, die noch aus dem Vorgängerbau stammt.







Was gibt’s noch zu sehen?

Da Wachau – wie schon erwähnt – Teil der, im Leipziger Raum ansonsten sehr unterrepräsentierten, Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 war, gibt es dazu allerlei Denkmäler und Gedenksteine und ich fürchte, mal wieder nicht alle gefunden zu haben.

Das Südliche Schlachtfeld wurde 1991 zum Flächendenkmal erklärt.

Das Wachtberg-Denkmal

Dieses Denkmal stand ursprünglich auf dem Wachtberg im Dorf Magdeborn. Von diesem Berg aus beobachteten die Oberhäupter der alliierten Monarchien König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770-1840), Zar Alexander I. von Russland (1777-1825) und Kaiser Franz I. von Österreich (1768-1835) die Schlacht bei Wachau am 16. Oktober 1813. Ihnen zu Ehren wurde im Jahr 1854 ein Denkmal errichtet. Da Magdeborn in den Jahren 1977 bis 1980 dem Braunkohleabbau weichen musste, musste auch das Denkmal umgesetzt werden. Es steht seit 1982 in unmittelbarer Nähe der Kirchenruine.




Unweit des Wachtberg-Denkmals steht ein Denkmal für die Gefallenen, Vermissten und Toten des Zweiten Weltkriegs aus den Gemeinden Wachau und Auenhain. 


Der Apelstein Nr. 1

Insgesamt 50 solcher Steine ließ der Leipziger Schriftsteller Theodor Apel (1811-1867) zwischen den Jahren 1861 bis 1864 in der Stadt und im Leipziger Umland an für die Völkerschlacht wichtigen Orten aufstellen. Die Präsentation unterscheidet sich dabei deutlich. Der Apelstein Nr. 1 steht sehr bescheiden zugänglich an der Bornaer Chaussee zwischen dem Ortsausgang und dem Gewerbegebiet von Wachau. Auf den Steinen sind sehr viele Informationen zu finden. Verzeichnet werden der Name und das Datum des Gefechts, die Namen der Heerführer, die Truppenbezeichnung und die Truppenstärke, sowie der Verlauf der Front. Oben abgerundete Steine sind mit einem „N“ versehen und zeigen an, dass es sich um einen Teil der napoleonischen Truppe handelt. An der Oberseite spitze Steine sind mit einem „V“ versehen und stehen für die Truppen der verbündeten Gegner Napoleons. Der Stein Nr. 1 steht für die Kampfhandlungen um Wachau am 16. Oktober 1813 unter Herzog Victor von Belluno (1764-1841), der den Ort Wachau gegen die Alliierten verteidigte.


Unwissenderweise dachte ich zuerst, der Apelstein würde irgendwo entlang dieser Straße zu finden sein.



Ortsansicht

Montag, 8. Oktober 2018

Bad Düben

Geburtstag: 981 (erste Erwähnung der Burg Düben)
Bewohner: 7930
Bekannt für: ziemlich viel Entspannung, sei es durch ein Moorbad im Spa oder eine Wanderung durch die Heide



Da alle so suuuuper entspannt sind in Bad Düben hat man das Gefühl, dass alles ein bisschen verschnarcht ist. Vielleicht waren aber auch gerade alle in der Dübener Heide wandern. Trotz seiner ruhigen Lage und seines hohen Alters ist Bad Düben eine hübsche Kleinstadt und man kann Fotos machen, ohne dass einem dauernd jemand ins Bild läuft. Die zwei bekanntesten Anziehungspunkte, die die Bekanntheit der nordsächsischen Stadt ausmachen, habe ich – wie immer ungewollt – vernachlässigt. Eine Nachbesserung wird angestrebt.


Viele Wege führen aus Bad Düben.

Was gibt es da zu sehen?

Die Burg Düben

Dieses für burgige Verhältnisse ästhetisch unauffällige Gebäudeensemble, welches nahe am südwestlichen Ortseingang liegt, ist der Grund für das hohe Alter der Stadt. Denn in der Chronik Thietmars von Merseburg wird für das Jahr 981 der Burgward „Dibni“ genannt, welcher aus dem aufgelösten Bistum Merseburg in den Besitz des Erzbistums Magdeburg gelangte. Im 11. Jahrhundert kam die Burg und das darum liegende Gebiet an das Bistum Meißen und später an die aufstrebenden Markgrafen von Meißen. Trotzdem konnte sich in Düben nie ein richtiger Herrschaftssitz etablieren. Die Burg entwickelte sich stattdessen zum Verwaltungssitz. Seit der Leipziger Teilung im Jahr 1485 gehörte Düben zur Herrschaft der Ernestiner. Im Jahr 1547 gelangte das Gebiet mitsamt der wettinischen Kurwürde an die Linie der Albertiner und wurde ein Teil des Leipziger Kreises, bis es die Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 preußisch werden ließen.
Trotzdem die Burg nie ein repräsentativer Herrensitz war, machten doch einige bekannte Namen hier Halt. Der preußische König Friedrich II. hielt sich während des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1760 dort auf und errichtete das größte preußische Militärmagazin in der Stadt. Napoleon Bonaparte bezog vor der entscheidenden Völkerschlacht in den Tagen vom 10. bis zum 13. Oktober 1813 hier sein Hauptquartier.
Im Jahr 1953 wurde im ehemaligen Amtshaus ein Museum eingerichtet. Nach einer umfassenden Sanierung in den Jahren 1998 bis 2003 befindet es sich derzeit wieder im Umbau und kann nur von außen besichtigt werden.



Das Gebäude auf der rechten Seite ist das Amtshaus. Es wurde 1780 errichtet.




Egal, wo ich hingehe...

Die Bergschiffmühle gehörte zum Alaunbergwerk und wurde 1668 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1967 wurde sie in den ehemaligen Wallgraben der Burg umgesetzt und wird seitdem als technisches Denkmal genutzt.

Trotzdem das Museum in der Burg geschlossen hat, gibt es eine Ausstellung zu sehen. Im Naturparkhaus Dübener Heide, welches sich vor der Burg befindet, wird noch bis zum 31. Oktober 2018 die Ausstellung "Wissen für die Zukunft?" gezeigt.

Es handelt sich dabei um eine Sonderausstellung im Rahmen des Jubiläums des Dreißigjährigen Krieges, der vor 400 Jahren begann. Der Eintritt ist kostenlos, aber nicht umsonst.

Der Neuhof

Der heute im Stadtgebiet liegende ehemalige Gutshof hat sich vermutlich um das Jahr 1700 aus dem Besitz des Ritterguts Schwemsal entwickelt. In dieser Zeit wurde möglicherweise auch das Herrenhaus gebaut. Das Gut gehörte ausschließlich bürgerlichen Besitzern. Vom 5. bis zum 9. Oktober 1813 diente das Herrenhaus dem preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blüchner als Hauptquartier, nur wenige Tage bevor Napoleon sich in der Burg einquartierte.
Der Hof umfasste 63 Hektar. Die landwirtschaftliche Fläche wurde durch Verkauf ab 1880 jedoch immer geringer. Im Jahr 1972 wurde der damalige Besitzer enteignet. Heute befindet sich die ehemalige Hofanlage in privatem Besitz.



Der Altenhof

Dieser ehemalige Gutshof befindet sich außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets zwischen Schnaditz und Bad Düben. Als der meißnische Markgraf Friedrich II. die Mark Landsberg 1347 erwarb, war Altenhof eine von vier befestigten Burgen in diesem Gebiet. Im Verlauf der Geschichte hatte das Gut immer wieder wechselnde Besitzer. Das heute noch bestehende Herrenhaus stammt vermutlich vom Ende des 17. Jahrhunderts. Der mittlere Anbau geht auf den Leipziger Baumeister Johannes Wetzold zurück, dem der Gutshof seit 1927 bis zur Enteignung 1945 gehörte. Heute befindet sich das Haus in Privatbesitz und liegt direkt am Mulderadweg.



Das Rathaus am Marktplatz

Durch einen Stadtbrand im Jahr 1716 wurden das Rathaus und die den Markt umfassenden eng stehenden Häuser zerstört. Das heute noch stehende Gebäude wurde in den Jahren 1718 bis 1723 wieder aufgebaut. Die Rückseite bildet ein Bauteil aus Fachwerk, dass auch „Alte Post“ genannt wird.
Zwischen 9 und 13 Uhr sollte der Besucher sein Augenmerk in Richtung des Rathausturmes lenken, denn zu jeder vollen Stunde erscheinen zwei Ziegenböcke und rammen ihre Köpfe gegeneinander. Zwei ganz besondere Fassadentierchen! Sie wurden schon vor dem Stadtbrand 1716 erwähnt und sind damit älter als das Rathausgebäude selbst.






Der Paradeplatz

Der Name deutet auf die Geschichte der Stadt als Garnisonsstadt hin. Bis zum Jahr 1828 befand sich hier noch ein Stadtteich, der zugeschüttet wurde. Da der Platz deutlich größer ist als der Markt bot er nicht nur Raum für Paraden, sondern auch für Vieh- und Jahrmärkte.



Die Nikolaikirche

Der Kernbau stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde in der folgenden Zeit immer wieder umgebaut. Im Jahr 1517 führte Luther die Reformation in Düben ein. Mehrere große Um- und Ausbauten fanden im 19. Jahrhundert statt, wie beispielsweise der Wiederaufbau des 1809 eingestürzten Turmes. Die letzte Sanierung der Kirche wurde im Jahr 2007 beendet.




Die katholische Kirche

Die Kirche wurde im Jahr 1955 gebaut und diente vor allem vielen Geflüchteten aus den ehemaligen Ostgebieten als neue Gemeinde.



Die Stadtmühle

Diese immer noch betriebene Mühle wurde erstmals 1681 als sogenannte kurfürstliche Amtsschneidemühle erwähnt. Die Wassermühle liegt am Schwarzbach, der ein Stückchen weiter in die Mulde mündet.



 Die Muldebrücke

Eine Brücke über die Mulde wurde zum ersten Mal 1226 erwähnt. Im Verlauf der Geschichte wurden an der heutigen Stelle immer wieder Brücken gebaut, überquert und eingerissen. Der letzte – verkehrsbedingte Neubau – erfolgte in den Jahren 1994 und 1995. Diese Brücke überstand das Hochwasser 2002 schadlos.



Sonstige Sehenswürdigkeiten

Naturparkwächter
Raik Zenger
Pappel, 2008

Die Schafbrücke



Der Artesische Brunnen
Schon seit 1898 gab es artesische Brunnen in Bad Düben. Durch den Braunkohleabbau im nahen Bitterfeld sank der Grundwasserspiegel allerdings so sehr ab, dass die Quellen versiegten. Erst durch die Flutung der Tagebaue und einer Bohrung im Jahr 2008 kann dieser Brunnen wieder sprudeln.

Das Gasthaus zum Goldenen Löwen ist die älteste Gaststätte der Stadt und wurde erstmalig in einem Ablassbrief aus dem Jahr 1494 erwähnt.


Montag, 24. September 2018

Blogparade „#SalonEuropa – Europa ist für mich…“

Im Rahmen der Blogparade, zu der die Burg Posterstein aufgerufen hat, folgt hier nun mein Beitrag zum Salonthema. Um beim Thema meines Blogs zu bleiben, habe ich mich gefragt, wie sichtbar Europa eigentlich auf dem Land ist. Welche Spuren haben Menschen aus anderen Ländern dieses Kontinents in der Provinz hinterlassen? Wenn man jetzt sehr zynisch wäre (und das bin ich ja zum Glück nicht; ich bin nur knapp über dem Durchschnittswert zynisch), dann könnte man meinen, Europa kam nur dann ins Hinterland, wenn diverse Großmächte Raum benötigten, um Kriege zu führen und Schlachten zu schlagen. Aber es nur von der dieser Seite zu betrachten, wäre äußerst einseitig, zumal das Thema der Blogparade, auf den Salon der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821) zurückgeht, in welchen sie sowohl Politiker, als auch Künstler und Gelehrte zum gedanklichen Austausch einlud.
Das Ziel meines Beitrages soll sein, alle Orte im ländlichen Raum, an denen große und auch kleine historische Ereignisse Europas stattgefunden haben, aufzulisten und damit (wieder) sichtbar zu machen. Dieser Beitrag soll – wie alle anderen auf meinem Blog auch – ständig erweitert und aktualisiert werden. Zu manchen Orten habe ich schon ausführlichere Posts verfasst, die ich verlinken werde. Der derzeitige Stand der Liste ist ein bisschen frustrierend, da die meisten Orte im Leipziger Raum angesiedelt sind. Dieser Raum wurde unter anderem von zwei großen Ereignissen geprägt: dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und der Völkerschlacht (1813).
Es ist deshalb frustrierend, weil Europa für mich nicht Krieg, sondern Frieden bedeutet. Und dieser Frieden – indem ich aufwachsen durfte – sollte doch die Grundidee Europas sein. (Man könnte sich das auch für die ganze Welt wünschen, aber eins nach dem anderen.) Das Problem am Frieden ist, dass er deutlich schwerer umzusetzen ist, als kriegerische Handlungen und Eroberungszüge. Es ist nämlich viel einfacher sich gegenseitig die Rübe wegzuballern, als sich an einen Tisch zu setzen und zu reden und zu verhandeln. Und bei solchen Verhandlungen kann es nur Kompromisse geben und es sollte kein Platz für Alleingänge sein. Denn wann haben Abschottung, Mauerbau und Nationalismus irgendwann in der europäischen Historie dauerhaft irgendetwas gebracht? (Man möge mir ein Beispiel nennen, aber es muss wirklich wirklich gut sein.)
Für mich wird die Idee von Europa (Frieden, offene Grenzen, kultureller Austausch) immer lebendig sein, auch wenn irgendwann niemand mehr an dessen Umsetzung glaubt. Denn neben dem ganzen Idealismus ist Europa vor allem eins für mich – mein Zuhause.

Altranstädt

In diesem Ort stieß ich gleich mal an meine eigenen räumlichen Grenzen. Ich wollte nämlich gerne in das sogenannte Friedenszimmer, in dem 1706 der Altranstädter Frieden zwischen dem schwedischen König Karl XII. und dem polnischen König August II. (August der Starke) geschlossen wurde. Aber leider war niemand da, obwohl die Öffnungszeiten etwas anderes versprochen hatten. So ist das eben manchmal. Man kommt mit den besten Absichten und steht dann trotzdem vor verschlossener Türe. Aber trotzdem sollte man nicht verzagen und unverrichteter Dinge wieder abziehen. In meinem Fall hat das dazu geführt, dass ich doch noch ein paar Menschen gefunden habe, die mich in andere Räumlichkeiten und den Innenhof gelassen haben.

Nun noch ein paar Worte zur Historie: Wie schon oben geschrieben, wurde hier 1706 der Altranstädter Frieden geschlossen. Er war einer der Friedensverträge, die während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) geschlossen wurden. Nach der für die schwedischen Truppen siegreichen Schlacht bei Fraustadt, besetzten sie Sachsen und der König schlug sein Hauptquartier in Altranstädt auf. Warum ausgerechnet in Sachsen? Der polnische König August II. war als Friedrich August I. auch gleichzeitig Kurfürst von Sachsen. Eine der Friedensbedingungen war, dass er die polnische Krone, die er seit 1697 trug und wegen der er eine der Konfliktparteien im Krieg war, abgeben musste. Karl XII. blieb aber nicht nur für die Friedensverhandlungen auf dem Schloss, sondern beschloss ein Jahr später, 1707, mit Kaiser Joseph I. die Altranstädter Konvention. Diese sicherte den schlesischen Protestanten, die unter kaiserlich-habsburgischer und damit katholischer Herrschaft standen, Glaubensfreiheit und den Bau neuer Gnadenkirchen zu.




Bad Düben

In der über tausend Jahre alten Kleinstadt, nördlich von Leipzig, befand sich zwar nie ein richtiger Herrensitz, trotzdem machten doch einige bekannte Namen hier Halt. Der preußische König Friedrich II. hielt sich während des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1760 dort auf und errichtete das größte preußische Militärmagazin in der Stadt. Napoleon Bonaparte bezog vor der entscheidenden Völkerschlacht in den Tagen vom 10. bis zum 13. Oktober 1813 hier sein Hauptquartier. Einige Tage vorher, vom 5. bis zum 9. Oktober, weilte schon einer seiner Kontrahenten, der preußische Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht Blüchner, in der Stadt. Er wohnte im Herrenhaus des Ritterguts Neuhof.






In der Geschichte Bad Muskaus sticht eine Persönlichkeit natürlich ganz besonders hervor: Fürst Herrmann von Pückler-Muskau (1785-1871). Neben seinem Hauptberuf „adelig sein“ war er vor allem für seine Weltreisen und die Berichte darüber bekannt. Seine Reisen führten ihn bis nach Afrika und in den Nahen Osten, aber auch nach England, wo er die nachhaltige Bekanntschaft mit der englischen Landschaftsarchitektur machte und sie sowohl in Muskau, als auch in Branitz bei Cottbus umsetzte. Heute gehört der Park zum UNESCO-Welterbe und liegt zu zwei Dritteln auf polnischer und zu einem Drittel auf deutscher Seite.




Colditz

Den größten Bekanntheitsgrad hat das Schloss Colditz wahrscheinlich in Großbritannien erlangt, während es hierzulande ein Schloss von vielen ist. Das liegt hauptsächlich daran, dass im Schloss ab 1939 bis zur Befreiung 1945 ein Offizierslager war, indem viele Offiziere aus Großbritannien, aber auch anderen Ländern, inhaftiert waren. Viele der Inhaftierten wagten die Flucht. Doch von 300 Versuchen waren nur 31 erfolgreich. In der Nachkriegszeit entstanden viele Bücher und Filme über diese Fluchtversuche, die den Mythos von Colditz – vor allem im Ausland – begründeten.





Gotha

„Ein bisschen Frieden“ – das dachte sich auch Herzog Ernst, der Fromme (1601-1675), als er auf den Ruinen der geschleiften Burg Grimmenstein ein neues Schloss errichtete und es „Friedenstein“ nannte. Das Schloss wurde von 1643 bis 1654 gebaut, noch während der Dreißigjährige Krieg Mitteleuropa verheerte. Es sollte vor allem Symbolwirkung haben, denn im Schloss war, neben den herzoglichen Gemächern, unter anderem auch die Landesverwaltung – also die staatliche Ordnung – untergebracht. Um den Frieden immer wieder vor Augen zu haben, wurde am Schlossportal zur Stadtseite hin ein Schmuckstein angebracht, der sogenannte „Friedenskuss“. Er trägt den Spruch: „Friede Ernehret Unfriede Verzehret“.






Zwischen den Dörfern Großgörschen, Kleingörschen, Rahna und Kaja fand am 2. Mai 1813 die Schlacht bei Großgörschen statt. In der französischen Geschichte wird sie auch „bataille de Lützen“ – Schlacht bei Lützen genannt. Sie markiert den Anfang der sogenannten Befreiungskriege, in denen die Alliierten die napoleonischen Truppen in verschiedenen kleinen Schlachten und der großen Völkerschlacht bei Leipzig schlugen und so zum Rückzug zwangen. Im Raum um Leipzig gibt es kaum einen Ort, der nicht wenigstens einen Gedenkstein für Napoleon oder andere Beteiligte der Völkerschlacht aufweist. Der Ort Großgörschen hat alleine schon vier und ein großes Schlachtendiorama im Dorfmuseum.





Hoyerswerda

In Hoyerswerda haben viele Menschen gewirkt, aber eine Frau soll hier jetzt einmal herausgestellt werden. Es handelt sich um Ursula Lubomirska, Reichsfürstin von Teschen (1680-1743). Geboren wurde sie in Warschau als Katharina Ursula von Altenbockum und gehörte zu einem Adelsgeschlecht, welches aus Westfalen ins Baltikum ausgewandert war. Verheiratet wurde sie mit dem polnischen Kronoberkämmerer Jerzy Dominik Lubomirski. Die Ehe wurde später wieder geschieden. Besonders bekannt wurde Ursula dadurch, dass sie eine offizielle Mätresse des sächsischen Kurfürsten Friedrich I. wurde. Nachdem sie ihm einen Sohn gebar, wurde sie in den Reichsgrafenstand erhoben und durfte sich Reichsgräfin von Teschen nennen. Doch so ein Leben als Mätresse hält nicht ewig und so war sie um 1705 kein gern gesehener Gast mehr am sächsischen Hof. (Abgelöst wurde sie von der nicht minder bekannten Gräfin Cosel.) Sie zog sich auf ihren Landsitz in Hoyerswerda zurück, der ihr von Friedrich August I. übereignet wurde. Auf dem Schloss Hoyerswerda saß die Reichsgräfin aber nicht tatenlos herum, sondern ließ es ausbauen und förderte Handel und Gewerbe, sodass die kleine Stadt aufblühte. Doch auch ihr Aufenthalt in Hoyerswerda währte nicht ewig, denn er war auch nur eine der vielen Stationen ihres Lebens.



Kitzen

Der Raum südwestlich von Leipzig wurde in der Zeit vor der Völkerschlacht schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Durchziehende Truppenverbände beider Seiten hinterließen ihre Spuren. Am 17. Juni lagerte das Lützower Freikorps in der Nähe der Gemeinde Kitzen. Unter ihnen war auch der Dichter Theodor Körner. Obwohl zwischen den napoleonischen und den alliierten Truppen ein Waffenstillstand herrschte, wurde das Freikorps überraschend von der französischen Kavallerie und ihren württembergischen Verbündeten überfallen. Dabei wurde Körner schwer verletzt. Er konnte sich bis nach Großzschocher retten und kam bei verschiedenen Freunden unter. Bei einem Gefecht am 26. August 1813 im Forst Rosenow wurde er tödlich verwundet. Trotz seiner knapp 22-jährigen Lebenszeit hat er wohl mehr erlebt, als so mancher 80-Jährige. Beim Überfliegen seiner Biographie hat man das Gefühl, dass er mit jeder Person des frühen 19. Jahrhunderts irgendwie bekannt war. Seine Patentanten waren Elisa von der Recke und Dorothea von Kurland.



Kleinschkorlopp

Auch in Kleinschkorlopp, dass nicht weit von Kitzen entfernt liegt, steht ein Denkmal, dass an den Überfall der französischen Truppen unter General François Fournier und der württembergischen Truppen unter Karl von Normann-Ehrenfels auf das Lützowsche Freikorps am 17. Juni 1813. Die Württemberg wechselten am 18. Oktober 1813 auf die Seite der Alliierten.



Königsbrück

Seit 1893 ist Königsbrück ein Militärstandort. Seit dieser Zeit wurde er von den unterschiedlichsten Armeen genutzt. Besonders das letzte Jahrhundert hat hier seine Spuren hinterlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Abzug im Jahr 1992 wurde der 1936 neu angelegte Truppenübungsplatz von der sowjetischen Armee genutzt. An und in vielen Gebäuden (sofern noch nicht abgerissen) gibt es noch kyrillische Graffiti und dieses sehr dezente Wandbild am ehemaligen Casino.



Lutherstadt Wittenberg

Martin Luther kommt natürlich nicht aus dem europäischen Ausland. Sondern er ist eine DER Kernfiguren der deutschen Geschichte. Und genau deshalb taucht er auch in dieser Liste auf. Denn er ist ein gutes Beispiel dafür, was man als Einzelner (aber nicht unbedingt als Einziger) erreichen kann und welche historischen Umwälzungen ein paar geschriebene Worte auslösen können.




In dieser Kleinstadt fand am 16. November 1632 eine der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges statt. Einschneidend war sie vor allem deshalb, weil der Anführer des protestantischen Heeres, der schwedische König Gustav II. Adolf, fiel. Es war nicht nur für die Schweden einschneidend, weil sie keinen König mehr, sondern auch für die Region um Lützen, die damit ein Teil der schwedischen Geschichte wurde und auch touristisch ganz gut davon profitierte. Am Fundort der Leiche wurde ein Findling aus Granit aufgestellt, der dann später noch von einem formschönen Schinkel-Baldachin bekrönt wurde. Und um den Fundort entwickelte sich eine winzig kleine, bis 1961 von einer schwedischen Familie bewohnte, schwedische Siedlung, die aber entgegen anders lautender Mythen, kein schwedisches Territorium ist.





Meuchen

In diese Kirche aus dem 13. Jahrhundert wurde der Leichnam des schwedischen Königs Gustav II. Adolf gebracht, aufgebahrt und gereinigt. Von hier aus wurde er nach Weißenfels gebracht. Die Kirche trägt seitdem den Namen „Gustav-Adolf-Gedächtniskirche“.




Hier geht die Geschichte der Reichsgräfin von Teschen weiter. Nachdem sie Hoyerswerda verlassen und einige Zeit in Breslau gelebt hatte, kam sie wieder an den Dresdner Hof, an dem sie inzwischen nicht mehr geächtet wurde. Dort lernte sie ihren zweiten Ehemann Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Winnental kennen. Als Hochzeitsgeschenk überreichte er ihr 1721 das neugebaute Barockschloss Neschwitz. Im Jahr 1734 starb der Herzog. Ursula, die jetzt den Namen ihres Mannes führte, verkaufte Neschwitz 1737 an Aleksander Józef Sułkowski. Danach lebte sie bis zu ihrem Tod zurückgezogen in Dresden. Bestattet wurde sie im tschechischen Litoměřice/Leitmeritz.




Natürlich kommt diese Liste nicht ohne den Ausgangspunkt aus. Auf der Burg Posterstein erfährt man alles über die Salongeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts im Altenburger Land und Anna Dorothea von Kurland, die im nahen Löbichau residierte und dort ihren eigenen Musenhof etablierte, an dem manchmal bis zu 300 Personen zu Gast waren.




Rippach

Rippach ist wohl den meisten nur deswegen bekannt, weil man am gleichnamigen Kreuz öfter mal im Stau steht. Historisch bedeutsam ist es vor allem, weil hier Jean-Baptiste Bessieres am 1. Mai 1813, also einen Tag vor der Schlacht bei Großgörschen, bei einem Erkundungsritt von einer Kanonenkugel in Stücke gerissen wurde. In Rippach ist eine Gedenktafel an der ehemaligen Gaststätte „Zum weißen Schwan“ zu finden, sowie ein Denkmal oberhalb des Dorfes zwischen zwei Feldern.





In Rötha befand sich das Quartier der Alliierten der Völkerschlacht 1813. Neben Zar Alexander I. wurde es auch von Friedrich Wilhelm III. genutzt. Wirklich sichtbar ist es aber nicht mehr. Denn das Hauptquartier befand sich im Schloss von Rötha, welches im Jahr 1969 gesprengt wurde. An seiner Stelle steht jetzt ein Denkmal, welches an die Völkerschlacht erinnert.





Die Gegend um Schleswig ist eng mit der Geschichte Dänemarks verbunden. Nicht weit von der Stadt befinden sich die Überreste von Haithabu, einer der größten Handelsstädte der Wikinger. Im Schloss residierte Friedrich I. (1471-1533), der in Personalunion Herzog von Schleswig, sowie König von Dänemark und Schweden war. Der Konflikt, der sich daraus ergab, dauerte bis zum Jahr 1864. In diesem Jahr brach der Deutsch-Dänische Krieg aus, den die Verbündeten Preußen und Österreich gegen Dänemark für sich entschieden. Mit dem Sieg wurde eine Angliederung Schleswigs an das dänische Königreich verhindert. Stattdessen kamen die Gebiete Schleswig, Holstein und Lauenburg an Österreich und Preußen.




Torgau

Über Sachsen hinaus bekannt geworden ist Torgau am 26. April 1945, als sich auf den Resten, der von der Wehrmacht kurz zuvor gesprengten Brücke, US-amerikanische und sowjetische Soldaten trafen und die Hände reichten. Damit verbanden die Alliierten die Ost- mit der Westfront und besiegelten somit das Schicksal des Dritten Reiches. Tatsächlich hatte die erste Begegnung schon einen Tag vorher bei Strehla stattgefunden. Da dort aber zu viele tote Zivilisten herumlagen, und so etwas auf Fotos nicht so gut kommt, stellte man den Handschlag in Torgau nach. Die Brücke wurde zwar wieder aufgebaut, musste aber im Jahr 1994 abgerissen werden. Von der Alten Brücke ist nur noch der Brückenkopf übrig.



Wachau bei Markkleeberg

In Wachau bei Markkleeberg befand sich das südliche Schlachtfeld der Völkerschlacht. Außerdem steht hier seit 1982 das Wachtberg-Denkmal. Dieses wurde 1854 auf dem Wachtberg bei Magdeborn aufgestellt. Das Denkmal markierte den Monarchenhügel, von welchem aus der russische Zar Alexander I., der preußische König Friedrich Wilhelm III. und der österreichische Kaiser Leopold I. das Schlachtgeschehen beobachteten und ihre Befehle gaben. Als in Folge des Braunkohleabbaus devastiert wurde, wurde das Denkmal nach Wachau umgesetzt.





Nachdem er schon in Meuchen Station machte, kam der Leichnam von König Gustav II. Adolf in das Geleitshaus nach Weißenfels. Hier wurde er im Erkerzimmer obduziert, einbalsamiert und für den Leichenzug nach Schweden vorbereitet.