Donnerstag, 30. November 2017

Lützen

Geburtstag: 1269
Einwohner: 8625
Bekannt für: einen in der Schlacht erschossenen schwedischen König


Same shit – different century. Ähnlich wie Mühlberg an der Elbe ist die Kleinstadt Lützen nur deshalb bekannt, weil sich in ihrer Nähe verschiedene Menschen aus verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Gründen gegenseitig die Lebenserwartung verkürzt haben. Das wohl prominenteste und marketingtechnisch verwertbarste Opfer war Gustav II. Adolf, König von Schweden. Er fiel am 6./16. November 1632 in der Schlacht. Am Fundort seines Leichnams wurde noch im selben Jahr ein Findling aus Granit aufgestellt. Dieser Stein wurde mit der Zeit ein beliebtes Ausflugsziel. Und weil es damals noch keine Tourismusinformation mit einem Andenkenshop gab, fingen die Menschen an sich kleine Stücke aus dem großen Stein zu brechen. (Kein Kommentar -,-)
Zum 200. Todestag sollte die Gedenkstätte ästhetisch verbessert werden und dafür wurde niemand geringeres als Karl Friedrich Schinkel engagiert. (Wer nicht weiß, wer das ist, stellt sich jetzt bitte in die Ecke und schämt sich für zwanzig Minuten oder googelt diesen Mann.) Er entwarf den heutigen Baldachin, welcher 1837 enthüllt wurde. Das Areal wurde 1907 durch eine Gedächtniskapelle erweitert. Später importierte man noch zwei schwedische Holzhäuser, in dem bis 1961 ein Vertreter der Schwedischen Lützenstiftung mit seiner Familie wohnte und sich um die Verwaltung kümmerte. Einer ist ganz besonders bekannt geworden, denn er steht im Zusammenhang mit der Legende, dass es sich beim Gedenkstättengrundstück um schwedisches Territorium handele. Hans Svensson Wächter lebte von 1932 bis 1961 in dem ersten der dort errichteten Holzhäuser. Als im Jahr 1945 die Alliierten immer weiter vorrückten, hatte er die Befürchtung für den Feind gehalten zu werden. Deshalb und auch zum Schutz des Denkmals bracht er neben der schwedischen Flagge ein Schild an, auf dem „Swedish Property“ stand. Nach der Ankunft der Alliierten wurde ihm vom US-Kommandanten das Hissen der schwedischen Flagge erlaubt und die Legende hatte ihren Ursprung. Tatsächlich gehören Grund und Boden der Stadt Lützen. Was die Schweden (inklusive Royal Family) aber nicht davon abhält, ab und zu mal vorbeizuschauen.





Soweit ich mich erinnere, ist der Stein unter dem Baldachin, den man auf diesem Foto sehr gut erkennen kann, nicht der Originalstein von 1632.


Ich glaube, dass ist der Originalstein. Oder wurde der Findling darunter vergraben und das ist auch nur ein Ersatz?
Wieso liegen da überhaupt so viele Steine rum? 

Das ist auf jeden Fall ein Bild vom Originalstein.
Das ehemalige Schlachtfeld

In der Stadt selbst steht ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert, indem sich seit 1928 ein Museum befindet. Neben Informationen zum Dreißigjährigen Krieg im Allgemeinen und der Schlacht von Lützen im Speziellen, gibt es natürlich noch den obligatorischen Teil, der die Stadtgeschichte näher beleuchtet. Sehr interessant ist auch der Abschnitt über die Schlachtfeldarchäologie. Denn oft sind Schlachtfelder nicht mehr so einfach zu lokalisieren, wenn die militärische Auseinandersetzung schon ein paar Jahrhunderte her ist. In der Zwischenzeit hat sich die Landschaft meist stark verändert und im Falle von Lützen wurden Schwerter zu Pflugscharen. Und das ist, nebenbei bemerkt, immer ein gutes Zeichen.

Wozu braucht man heute noch Könige?

Na, um Bier zu verkaufen.
Das Lützener Schloss mit Museum und einem Turm zum Raufklettern.


Auch Schillers "Wallenstein" ist Teil der Ausstellung.
Im Obergeschoss ist der Charme eines Heimatmuseums noch sehr präsent.
Habe beim Turmaufstieg einen anderen Provinzblogger getroffen.
Das Rathaus im Stile der Neorenaissance wurde 1884/85 erbaut.
Also ich weiß ja nicht, ob man die Sorgen draußen lässt, wenn man zur Sparkasse geht, aber der Alkohol macht es vielleicht erträglicher.

Die Stadtkirche St. Viti wurde von 1488 bis 1513 auf dem Areal eines aus dem 13. Jahrhundert stammenden Vorgängerbaues im Stile der Gotik errichtet.

Eine sehr magere Ausbeute an Fassadentierchen. Und eins davon ist gar kein richtiges.

Freitag, 10. November 2017

Mühlberg an der Elbe

Geburtstag: 1230
Einwohner: 3856
Bekannt für: die Entscheidungsschlacht im Schmalkaldischen Krieg (1546/47), die in der Nähe stattfand

Mühlberg ist eine Station des Elberadwegs.

 Manchmal hat man es als Kleinstadt wirklich nicht leicht. Erst wird man der Veranstaltungsort einer berühmten Schlacht im 16. Jahrhundert und dann muss man auch noch zu Brandenburg gehören, obwohl sich die Mehrheit der Einwohner für die Zugehörigkeit zum Land Sachsen ausgesprochen hat (so viel zur Sinnhaftigkeit von Volksentscheiden). Aber Mühlberg an der Elbe macht trotzdem das Beste aus dem zweifelhaften Schlachtenruhm.
Das Museum zum Thema ist im Gebäude der ehemaligen Propstei untergebracht. Neben der obligatorischen Aufarbeitung der Reformation und des Schmalkaldischen Krieges, finden sich noch Bereiche zur Stadtgeschichte und -entwicklung und zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stammlager IV B, welches in der Nähe der Stadt lag.

Die Propstei wurde um 1530 als Wohn- und Amtshaus mit zwei Maßwerkgiebeln errichten. 

Es gibt praktisch keine Ausstellungsstücke zur Schlacht bei Mühlberg, die am 24. April 1547 stattfand. In diesem Fall ist der Ort an sich das Ausstellungsstück. Dieser Umstand wird im Museum sehr elegant mit Medienstationen überbrückt, an denen man sich den Verlauf der Schlacht ansehen und Zeitzeugenberichte anhören kann. Die Stadtgeschichte hat es da schon ein bisschen einfacher. Zur Veranschaulichung des Handwerks werden Pokale und andere Gegenstände der ehemaligen Innungen ausgestellt.

1554 erwarb der Landadelige Sigismund Pflug das Gebäude und ließ es ausbauen.

Die vorreformatorische Bemalung der Innenräume blieb zum Teil erhalten und zeigt biblische Szenen.

Seit 1926 befindet sich das Stadtmuseum in dem Gebäude, welches zwischen 1991 und 1995 umfangreich saniert wurde.

Der Maler Hans Kretschmann legte Teile der historischen Ausmalung frei.



Diese Deckenausmalung wurde 1930 bei Baumaßnahmen entdeckt, freigelegt und zum Teil erneuert.
Einen großen Einfluss auf das Leben im Ort hat und hatte natürlich die Elbe und die damit verbundene Fischerei. Die Stadt war einst durch einen Nebenarm der Elbe in eine Neustadt und eine Altstadt geteilt. Auch heute gibt es noch einen kleinen Hafen. Bei den Elbehochwasser 2002 und 2013 hielten die Deiche und die Stadt wurde nicht überschwemmt.
Mühlberg war schon immer eine Kleinstadt und auch die Industrialisierung veränderte die Stadt kaum. Noch heute kann man die fehlende wirtschaftliche Entwicklung an der grundlegenden Architektur der Häuser sehen. Größere Gebäude findet man eher am Stadtrand. Zum einen wäre da die Villa Güldenstern, die 1898 bis 1900 vom damaligen Besitzer des Rittergutes, dem Geheimen Justizrat Max Winterfeld, errichtet wurde. Heute befindet sie sich in Privatbesitz.
Zum anderen gäbe es dann noch das Schloss. Der heutige Bau aus dem 16. Jahrhundert befindet sich an der Stelle einer Wasserburg, die wahrscheinlich auch schon einen slawischen Vorgänger hatte. Die Vierflügelanlage, die von Moritz von Sachsen noch vor der Schlacht, zu einem Jagdschloss umgebaut wurde, ist wohl eines der ältesten Gebäude der Stadt. Heute befindet es sich in Privatbesitz und steht leer. Und da haben wir mal wieder die Misere mit einem leerstehenden Schloss. Es ist wirklich ein schönes Gebäude und würde rundum erneuert bestimmt noch besser aussehen. Aber natürlich hat es so zugewachsen und verfallen auch einen gewissen Charme. Es ist nicht auszuschließen, dass in den Innenräumen ein schlafender Hofstaat zu finden ist oder ein Prinz, der sich vor der Außenwelt versteckt, weil er vor Jahren in ein Monster verwandelt wurde. Vielleicht lag die Gruselstimmung auch an dem regnerischen Herbstwetter, denn dann wirkt selbst so ein hübscher kleiner Ort wie Mühlberg, wie eine Anfangssequenz eines Horrorfilms.


Das Torhaus auf dem ehemaligen Klostergelände diente auch als Gästehaus. Daher rührt die Bezeichnung als Hospiz.

Die Villa Güldenstern

Die Klosterkirche ist ein backsteingotisches Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert.

Erbaut wurde es als einschiffiges, kreuzförmiges Gebäude.
Nach der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und die Klosterkirche 1565 zur Pfarrkirche der Altstadt geweiht. Der Kreuzgang wurde in moderner Gestalt wieder aufgebaut.

Die Ausstattung stammt aus mehreren Jahrhunderten.

Heute dient die Klosterkirche als Ökumenischer Begegnungs- und Veranstaltungsort.

Das Klostermausoleum

Ich habe leider nicht herausgefunden, wer oder ob da überhaupt noch jemand drinnen liegt.

Die Löwenapotheke am Altstädter Markt ist eine der ältesten Apotheken des Landes Brandenburg. In den Jahren 1837/38 arbeitete der Vater Theodor Fontanes hier. Seine Schwester Elise wurde 1838 in Mühlberg geboren.


In Mühlberg kann man tatsächlich im Himmelreich wohnen.

Das Bürgerhaus wurde wohl um 1543 errichtet und gehört damit zu einem der ältesten erhaltenen Wohnhäuser in Brandenburg.

Das Rathaus wurde zwischen 1543 bis 1549 anstelle des abgebrannten Vorgängerbaus errichtet.

Die evangelische Frauenkirche war die Pfarrkirche der Neustadt und wurde zwischen 1487 und 1525 errichtet.
Der Kirchturm wurde 1691 erhöht.

Endlich mal ein Denkmal, dass an etwas Positives erinnert. Nämlich daran, dass der Deich beim Hochwasser 2002 nicht gebrochen ist.

1853 verlor Mühlberg durch die künstliche Begradigung des Flusses seine unmittelbare Lage an der Elbe. Der bestehende Elbarm wurde 1883 zum Hafen ausgebaut.

Brandenburgische Idylle. Bonjour tristesse.

Dieser Findling wurde 1937 aufgestellt und bezeichnet die Stelle, an der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen gezeltet haben soll. Man spürt förmlich die historische Authentizität dieses Ortes...nicht.

Das (überhaupt nicht gruselige) Schloss