Samstag, 27. Januar 2018

Off-Topic: Gullydeckel

Nicht immer muss man für Kunst ins Museum gehen. Manchmal reicht es auch einen Blick auf den Gehweg zu riskieren. Da kann man nämlich in manchen Städten wunderhübsch gestaltete Kanaldeckel, sogenannte Schmuckdeckel, entdecken. Da diese meistens in großen Städten zu finden sind, muss man dafür nicht extra ins Hinterland fahren. 

Meistens werden die Wappen der Stadt abgebildet, aber oft auch prägende Bauten oder Sehenswürdigkeiten. Ich habe vor, diese noch kleine Galerie beständig zu erweitern, also lohnt es sich immer mal wieder hereinzuschauen. Bis auf den ersten Deckel erfolgt die weitere Auflistung in alphabetischer Reihenfolge. Aus Gründen.

Leipzig


In der schönsten Stadt des Ostens ist auf dem Schmuckdeckel das historische Stadtwappen zu sehen. Auf einem in der Mitte geteilten Schild ist links der wettinische Löwe abgebildet und rechts die Landsberger Pfähle.

Altenburg


Die Umschrift auf dem Altenburger Deckel benennt neben dem Stadtnamen noch Balduin Bechstein. Die Familie Bechstein ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden, besonders durch die Spielkartenfabrik. Balduin Bechstein besaß eine Maschinenfabrik und Eisengießerei, die bis 1945 bestand und wahrscheinlich auch die Vorlage für diesen Deckel lieferte.



Leider konnte ich über die Geschichte dieser beiden Deckel noch nichts herausfinden.

Berlin


Der Berliner Deckel zeigt einige Wahrzeichen der Stadt: den Fernsehturm, das Brandenburger Tor, das Bundeskanzleramt, das Marathontor des Olympiastadions, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und den Reichstag.

Buxtehude


Der Deckel zeigt das Stadtwappen bestehend aus einem Schild mit zwei gekreuzten Schlüsseln, darüber ein Tatzenspitzenkreuz. Über dem Schild ist ein Stechhelm mit übereck geteilten Büffelhörnern zwischen denen sich ebenfalls ein Tatzenspitzenkreuz befindet.

Dresden


In der sächsischen Landeshauptstadt war man, wie in vielen anderen Städten auch, richtig kreativ und zeigt auf dem Schmuckdeckel das Stadtwappen. Dieses zeigt, wie in vielen anderen sächsischen Städten und Gemeinden auch, richtig kreativ links den meißnischen Löwen und rechts die Landsberger Pfähle.

Eckernförde


In Eckernförde zeigt der Deckel das Stadtwappen bestehend aus drei Wellenleisten, einem gemauerten Zinnenturm und einem Eichhörnchen. Das Eichhörnchen geht wahrscheinlich auf die Herkunft des Stadtnamens zurück und ist auch sonst überall in der Stadt zu finden.

Freiberg 



Den Biertrinkern unter meiner Leserschaft sollte das Motiv dieses Deckels wenigstens entfernt bekannt vorkommen. Den Deckel (und die Bierflasche) ziert das Wappen der Bergbaustadt, bestehend aus einem Schild auf dem drei Türme und eine Mauer mit einem Fallgitter abgebildet ist. Innerhalb des Fallgitters befindet sich nochmals ein Schild auf dem ein nach links blickender Löwe zu sehen ist. Prost und Glück auf!

Gotha


Auf dem Gelände des Schlosses Friedenstein findet man dieses schöne Exemplar. Es zeigt das Wappen des Bundeslandes Thüringen, ein achtfach quergestreifter Löwe mit einer Krone, der von acht Sternen umgeben wird.

Greifswald


In der Hansestadt zeigt der Deckel das Wappen, welches aus dem pommerschen Greif und einem Eichenbaumstumpf besteht.

Grimma


Den Deckel der Stadt Grimma ziert das Wappen, welches eine Stadtmauer mit offenem Tor, zwei Spitztürmen und einem Rundturm zeigt. Links hängt der Wappenschild der Wettiner, rechts der der Burggrafen von Döben.

Groitzsch


Dies ist ein Deckel den ich in Groitzsch gefunden, aber inzwischen auch an vielen anderen Orten gesehen habe. Gezeigt wird das vereinfachte modernisierte Wappen des Freistaats Sachsen, welches als Landessignet im Jahr 1993 von der sächsischen Landesregierung herausgegeben wurde.

Halle


Im übelsten Vorort von Leipzig ziert das eigene Wappen den Deckel. Es zeigt einen Schild, auf dem zwei Sterne und ein Mond (keine Angst, keine Islamisierung vorhanden) abgebildet sind. Die astronomischen Objekte gehen auf die Gründungssage der Stadt Halle zurück und die ärmlichen Verhältnisse unter denen sie entstanden ist.

Hannover


Der Deckel zeigt in der Mitte das Stadttor, welches rechts und links von den welfischen Löwen flankiert wird.

Hoyerswerda


Die Schmuckdeckel der Stadt Hoyerswerda (sorbisch: Wojerecy) sind nicht, wie sonst üblich, auf dem Markt zu finden, sondern zum einen im Innenhof des Schlosses und zum anderen auf der - inzwischen oft auf Insta zu findenden - Langen Straße. Auch Hoyerswerda zeigt das Wappen der Stadt, das erst seit 1898 offiziell gilt. Es zeigt drei Eichenbäume, die sowohl an ihren Blättern, als auch an ihren Früchten klar zu erkennen sind.

Husum




In der Theodor-Storm-Stadt entschied man sich auch das Stadtwappen abzubilden, welches einen Palisadenzaun mit offenem Torhaus zeigt, indem zwei Löwen wohnen.

Landsberg am Lech


Auch der Landsberger Schmuckdeckel zeigt das Stadtwappen. Das sogenannte Kreuz auf dem Dreiberg steht für Freiung, Marktfrieden und Gericht. Gefunden habe ich diesen Deckel allerdings in Waldheim, da beide Städte eine Städtepartnerschaft pflegen.

Lucka


Es gibt heute immer noch Eisengießereien in Lucka. Welche davon für diesen Deckel verantwortlich, der auch etwas älter zu sein scheint, konnte ich noch nicht herausfinden. Gefunden habe ich ihn in Altenburg.

Lugau im Erzgebirge


Diesen Kanaldeckel sieht man in ostdeutschen Städten noch recht häufig. Ich habe ihn in der Curiestraße in Leipzig entdeckt. Der volkseigene Betrieb Kanalguss Lugau bestand seit 1972.


Vor der Verstaatlichung gab es natürlich schon Eisengießerein in Lugau. Eine davon war die Eisengießerei von Moritz Walther, die er 1901 mit Clemens Böttcher gründete. Ab 1941 hieß das Unternehmen "Moritz Walther Nachf.". Gefunden habe ich diesen Deckel in Rochsburg.

Meißen


Der Deckel zeigt das Stadtwappen, bestehend aus einem Schild auf dem links ein Turm und rechts der sogenannte Meißner Löwe zu sehen ist. Der Löwe war einst das Wappentier der Markgrafen von Meißen und ziert noch heute viele Stadtwappen im ehemaligen Herrschaftsgebiet (siehe Leipzig).

Naumburg


Der Naumburger Deckel zeigt das Wahrzeichen der Stadt, den aus dem 13. Jahrhundert bestehenden Dom, in welchem die weltbekannten Stifterfiguren zu finden sind. Über die Stadt habe ich schon gebloggt: http://unterwegsimhinterland.blogspot.de/2017/03/naumburg-einwohnerzahl-33.html.

Plauen


In der Spitzenstadt zeigt der Schmuckdeckel das Wappen der Stadt, welches auf ein Siegel aus dem Jahr 1329 zurückgeht. Es zeigt zwei Türme, die durch einen gotischen Spitzbogen verbunden sind. Über dem Spitzbogen steht ein Wappenschild mit einem Löwen und darauf thront ein Stechhelm mit aufgefächerten Pfauenfedern. Der Deckel wurde wirklich sehr detailliert ausgearbeitet und alle Einzelheiten sind beim bloßen Vorübergehen kaum zu bemerken.

Waldheim


In Waldheim findet man auf dem Schmuckdeckel das Wappen der Stadt: ein Turm mit Mittelteil und zwei Seitenaufbauten.

Montag, 22. Januar 2018

Zeitz

Geburtstag: 967 (erstmals urkundlich als Cici erwähnt)
Einwohnerzahl: 23.973
Bekannt für: einen Dom und viele produzierte Kinderwagen (kein direkter Zusammenhang)

Bonjour tristesse! Es hat bei meinen Besuchen in Zeitz übrigens jedes Mal geregnet, aber es unterstreicht ganz gut das traurige Gesamtbild.

Kinderwagen oder Tragetuch? Dies ist die Fragestellung mit der sich werdende Eltern unter anderem auseinandersetzen und mit der man hitzig geführte Debatten in Elternforen auslösen kann. Wenn man sich der Frage historisch nähert ist die Antwort ziemlich einfach. Das Tragetuch war zuerst da. Wie es zur Kinderwagenentwicklung kam und wieso man den am Anfang noch hinter sich hergezogen hat, beantwortet das Deutsche Kinderwagenmuseum in Zeitz. Es befindet sich im Schloss Moritzburg, der ehemaligen Residenz der Herzöge von Sachsen-Zeitz. Diese sogenannte Sekundogenitur bestand von 1656/57 bis 1718. Die wettinische Nebenlinie starb nach 69 Jahren im Mannesstamm aus und das Herzogtum fiel wieder zurück an die kursächsische Hauptlinie. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Zeitz auf Beschluss Preußen zugeteilt und das Schloss diente bis 1920 als Landarmen- und Korrektionsanstalt. Im Jahr 1931 wurde bereits ein Museum eingerichtet, das ab 1946 wieder öffnete. Während des Krieges diente es als Lager für Zwangsarbeiter. Das Deutsche Kinderwagenmuseum hat seinen Platz seit 1996 im Schloss und wurde nach Renovierungsarbeiten 2016 wiedereröffnet. Am Beginn der Kinderwagenproduktion in Zeitz steht der gelernte Stellmacher Ernst Albert Naether, der neben Pferdewagen auch Gestelle für Kinderwagen fertigte und diese 1852 erstmals auf der Leipziger Messe anbot. Angekurbelt durch den Erfolg konzentrierte sich das Unternehmen E. A. Naether auf die Serienproduktion von Kinderwagen (später auch Puppenwagen, Rodelschlitten usw.) und gab den Großwagenbau auf. Die Arbeitsräume fand man ab 1860 zunächst im Schloss Moritzburg. Ernst Albert Naether war nicht der einzige Kinderwagenproduzent in der Stadt und während der Gründerzeit siedelten sich viele andere Unternehmer an. Bis zur Enteignung 1946 befand sich das Unternehmen unter der Leitung der Familie Naether. Im Jahr 1950 wurden gingen die Produktionsanlagen in der neugegründeten VEB Zeitzer Kinderwagenindustrie (ZEKIWA) auf.

Das Torhaus wurde 1661 bis 1672 errichtet und zwischen 1996 bis 2004 umfassend saniert.


Auf den Grundmauern der zerstörten Bischofsburg wurde zwischen 1656 bis 1678 das Schloss Moritzburg gebaut.

Seit den 1990er Jahren bis 2004 wurde das gesamte Schloss- und Schlossparkensemble umfassend saniert. 2004 fand hier die Landesgartenschau statt.





Und wer hat's gewusst? Mal wieder niemand.

Was gibt’s noch zu sehen?

Zeitz war einst bestimmt eine schöne Stadt. Leider weht heutzutage der Hauch des leisen Verfalls durch die Straßenzüge, denn viele historische Gebäude sind Ruinen. Laut der heimatkundlichen Literatur trägt an diesem Zustand wahlweise der Sozialismus oder der Kapitalismus die Schuld, je nachdem welches Feindbild man bevorzugt und pflegt. Am Ende fehlt einfach mal wieder Geld und Liebe und Engagement. Und vor allem Geld. Vielleicht geschieht ja irgendwann doch noch ein Wunder und der anonyme Spender von Görlitz hat mal wieder Lust alte Bausubstanz zu erhalten. Oder wir warten einfach weiter bis alles so marode ist, dass es abgerissen werden muss. Dann wird aber bitte hinterher nicht herumgejammert.

Der Dom St. Peter und Paul




Im Jahr 968 wurde das Bistum Zeitz gegründet und vermutlich auch mit dem Bau einer Bischofskirche begonnen. Zwischen 1028 und 1100 entstand ein romanischer Neubau, der im 14./15. Jahrhundert zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut wurde. Der Herzog von Sachsen-Zeitz ließ die Kirche im 17. Jahrhundert zur Schlosskapelle umbauen und die Türme entfernen.

Die Michaeliskirche




Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Kirche im Jahr 1154. Auch diese Kirche wurde durch alle Stilepochen mehrmals umgebaut, zum letzten Mal im Jahr 1844. Im Jahr 1976 verbrannte sich der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Protest gegen das politische System öffentlich vor dieser Kirche.

Das Franziskanerkloster




Das Kloster stammt aus dem 13. Jahrhundert und bestand bis zu seiner Auflösung 1541. 1542 predigte Martin Luther hier aus Anlass der Amtseinführung des ersten evangelischen Bischofs Nicolaus von Amsdorf. Da in der Region um Zeitz besonders viele Luthernachkommen lebten und leben, wird sie auch "Stadt der Luthernachkommen" genannt und die Lutheriden-Vereinigung hat hier ihren Sitz.

Die Stephanskirche



Die Kirche wurde 1741 auf den Mauern der Vorgängerbauten, u. a. dem Kloster St. Stephan, errichtet.

Das Rathaus



Das Gebäude wurde zwischen 1505 und 1509 errichtet.

Das Unterirdische Zeitz (Der Eingang)


Unter der Altstadt findet sich ein Gebilde aus Gängen und Gewölben, die im 15. und 16. Jahrhundert zum Lagern und Reifen von Bierfässern genutzt wurden und die man heute besichtigen kann.

Das ehemalige Fabrikgebäude von E. A. Naether



Es wurde 1908 auf dem Fabrikgelände errichtet und steht heute leer und zum Verkauf.


Die Familie Naether hat mit mehreren Gebäuden das Stadtantlitz geprägt. Hier ist die Villa von Albin Naether zu sehen, die im Stil des Historismus gebaut wurde und absolut gar nicht protzig und irgendwie ein bisschen drüber wirkt.

Das Theater im Capitol



Das Capitol war eines von drei Filmtheatern und wurde bis 1996 noch als solches genutzt. Inzwischen ist es ein Theater.

Denkmäler und Skulpturen


Roßmarkt: "Spielende Pferde" von Joachim Hering, Bronze auf afrikanischem Granit, 1991


Kann mir bitte jemand sagen, was dieses Skulpturenensemble darstellt? Ich nehme mal an, dass es ein historisches Ereignis oder eine lokale Sage zeigt. Zu Hülf.



Die Rückansicht des Mahnmals für die Opfer des Faschismus am Markt. Im Hintergrund steht das ehemalige Gewandhaus.


Ein Gedenkstein für die aus Zeitz stammenden Brüder und Afrikaforscher Clemens und Gustav Denhardt.


Schöne Fassadentierchen.

Und zum Schluss eine Ansammlung trauriger Gebäude, die niemand lieb hat...



Von 1877 bis 1960 existierte eine Drahtseilbahn, die Personen und Pferdefuhrwerke beförderte.


Die Rahnestraße



In diesem Haus wurde 1825 der Erbauer des Nord-Ostseekanals, Otto Baensch, geboren.