Sonntag, 18. März 2018


Kloster Nimbschen

Geburtstag: zwischen 1227 und 1250
Einwohner: ? (Wohnt da überhaupt noch jemand, oder sind das nur noch Hotelgäste?)
Bekannt für: die Flucht einer Nonne, die in einer Ehe mit Martin Luther endete (quasi der Austausch eines Gefängnisses gegen ein anderes)



Was sagt es über einen Ort aus, wenn die bekannteste Geschichte über ihn davon handelt, dass Menschen aus ihm geflohen sind? So geschehen in der Osternacht 1523 als die Zisterziensernonne Katharina von Bora mit acht Ordensschwestern, angeblich in Heringsfässern, dem Klosterleben für immer ‚Lebewohl‘ sagte. Über den Verlauf des Lebens von Katharina von Bora wissen wir weitestgehend Bescheid, obwohl auch davon ein Teil mythologische Verklärung ist. Aber was passierte mit dem Kloster während und nach der Reformation? Denn Klöster hatten oft einen nicht unerheblichen Landbesitz.
Das Kloster „Marienthron“ existierte ungefähr seit der Mitte des 13. Jahrhunderts. Um 1250 siedelten die Nonnen des Zisterzienserordens aus dem nahegelegenen Grimma auf Wunsch des Landesherrn in das Kloster Nimbschen um.
Im Zuge der Reformation wurde es, wie viele andere Klöster auch, nach dem Tod der letzten Äbtissin im Jahr 1542 aufgelöst. Der Wirtschaftshof, sowie einige Teile des Landbesitzes kamen der 1550 neugegründeten Landesschule (siehe Artikel über Grimma) zu Gute. Bis ins Jahr 1948 gehörte es zum Besitz der Landesschule, danach wurde es in Volkseigenes Gut umgewandelt.
Von der ehemaligen Klosteranlage ist heute nur noch der Ostflügel als Ruine erhalten, denn die Gebäude wurden bis ins 19. Jahrhundert zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen.
Im Verlauf der Wiederentdeckung historischer Ort durch einen starken Aufschwung patriotischer Gesinnung und sonstigem nationalistischen Schwachsinn wurden die ruinösen Überreste im Jahr 1874, nicht gerade denkmalgerecht, wiederhergestellt. Die Ruine des Klosters Nimbschen verwandelte sich in einen romantischen Ausflugsort.
Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude waren, durch fast ununterbrochene Nutzung, wohl in besserem baulichen Zustand, denn seit 1992 befindet sich dort das Hotel Kloster Nimbschen.
Die Ergebnisse mehrerer archäologischer Grabungen konnten inzwischen den Grundriss des Klausurgebäudes wieder rekonstruieren und so kann man seit 2014 in einer darauf basierenden Parkanlage spazieren gehen.


Wie genau die originale Klosterkirche aussah, ist nicht bekannt.

Nur noch der Ostflügel des Klausurgebäudes ist sichtbar.

Er umfasste den Kapitelsaal, ...

... den Speisesaal in der unteren Etage, ...

... und das Dormitorium in der oberen Etage.


Die Brunnenanlage im südwestlichen Klosterbereich.



Die Mulde ist niemals weit weg.

Die Hotelanlage Kloster Nimbschen


Sonntag, 4. März 2018

Grimma

Geburtstag: 1200 (eine Siedlung wurde wohl schon um 1170 angelegt)
Einwohner: 14.693
Bekannt für: viel Streit um viel Flusswasser

Sehr viel Sehenswertes in Grimma
Die selbsternannte Perle des Muldetals hat in diesem Jahrtausend bisher hauptsächlich mit hohen Pegelständen bei den Hochwassern von 2002 und 2013 von sich reden gemacht. Und mit allen Nachwirkungen, die damit einhergingen: Hochwasserschutz, Denkmalschutz, Naturschutz. Offensichtlich sind dies drei Themengebiete, die nur schwer zu vereinbaren sind und es wurde viel darüber diskutiert. Man mag die Argumente der einen oder der anderen Seite bevorzugen und darüber streiten wie zweckmäßig die Bürgerinitiativen in dieser Sache waren. Am Ende bleibt zu sagen, dass Grimma eine schöne Stadt voller netter Menschen (zumindest mir gegenüber) ist. Und deshalb besucht sie schnell, bevor sie wieder vollläuft und die Bürger einen schönen Blick auf die Mulde in ihrem Keller haben, der von keiner Hochwasserschutzmauer verbaut wurde.

Was gibt’s da zu sehen? (ohne Anspruch auf Vollständigkeit; wird mit der Zeit erweitert... vielleicht)

Das Göschenhaus mit der Seume-Gedenkstätte

Dieses Museum ist mein persönlicher Favorit in der Stadt und ich kann einen Besuch nur empfehlen. Der Rundgang durch das Haus erfolgt ausschließlich mit einer Führung, aber die braucht man auch, wenn man einigermaßen unvorbereitet dahin geht und nicht wirklich weiß, wer Georg Joachim Göschen oder Johann Gottfried Seume ist (shame on me). Göschen war ein Verleger in Leipzig und brachte unter anderem die Werke von Goethe, Schiller, Wieland, Seume und vielen anderen Vertretern der Klassik heraus. Im Jahr 1795 kaufte er das Landgut in Hohnstädt bei Grimma als Sommersitz für seine Familie. Später verlegt er seine Druckerei und auch seinen Hauptwohnsitz nach Grimma, weil ihn Leipzig nervte oder irgendjemand in Leipzig. So genau habe ich mir das leider nicht gemerkt. Vorstellbar ist beides.
Seume hat bei ihm hauptsächlich als Korrektor gearbeitet, bevor er dann nach Syrakus spazierte.
Das Museum ist sehr liebevoll gestaltet und im Besitz vieler authentischer Objekte, wie zum Beispiel Möbel und Haushaltsgegenstände, natürlich Bücher, die Spazierstöcke von Seume und den Beistelltisch auf dem Schiller seine Manuskripte ablegte, als er Göschen einst zwei Tage lang besuchte. Den durfte ich übrigens berühren! Für alle Schiller-Fangirls und -boys sollte ein Besuch also Pflicht sein. Es ist auch viel günstiger als Weimar.


Zu dem Gebäudekomplex gehört noch ein Garten, der, wie mir versichert wurde, im Sommer viel schöner aussieht. Der Garten ist außerdem der einzige erhaltene klassizistische Privatgarten Sachsens.


Den Gedenkstein für Seume ließ Göschen kurz nach dessen Aufbruch nach Syrakus aufstellen, weil er nicht glaubte, dass er seinen Freund je wiedersehen würde.

In dem Wirtschaftsgebäude, welches mit zum Grundstück gehört, brachte Göschen seine vielen mehr oder wenigen berühmten Gäste unter.

 Das Kreismuseum

Auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerkirchhofes richtete Magdalena von Staupitz 1529 die erste Mädchenschule der Stadt in diesem Gebäude ein. Seit 1901 befindet sich in den Räumen eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte, die von den Anfängen der Stadt im 13. Jahrhundert bis zur Entwicklung wichtiger Industriezweige im 19. und frühen 20. Jahrhundert reicht. Daneben gibt es auch immer wechselnde Sonderausstellungen.


Die Sonderausstellung "Feste schießen und Feste feiern. Grimmaer Schützenscheiben und -feste"

Die Dauerausstellung

Daktyliothek
angefertigt von Philipp Daniel Lippert, 1767
ein Geschenk von Kurfürst Friedrich August III. an die Fürstenschule
Die Papierfabrik Hermann Weißing war auf  Karnevals- und Festartikel spezialisiert. Nachdem er 1948 verstaatlicht wurde, wurde der Betrieb 1991 stillgelegt.

Im Jahr 1890 gründeten die Gebrüder Händel ihre Handschuhfabrik. Sie wurde 1972 verstaatlicht und stellte ab 1983 ausschließlich Arbeitshandschuhe her. 1991 wurde auch hier der Betrieb eingestellt. (Findet noch jemand außer mir, dass der Mann auf dieser Werbung wie Lord Grantham aus Downton Abbey aussieht?)


Die Etui-Fabrik Reinhold Kühn wurde 1910 gegründet; 1972 verstaatlicht und 2004 aufgegeben.

Die Klosterkirche St. Augustin

Die 1435 errichtete Saalkirche gehörte bis 1937 zur angrenzenden Fürsten- und Landesschule. Dann wurde die Stadt Eigentümerin und nutzt den Bau nur noch gelegentlich. Der Leerstand überwog mit der Zeit und das Gebäude verfiel. Anfang der 1990er Jahre wurde die Kirche wieder instand gesetzt und dient inzwischen als Veranstaltungsort für Konzerte.





Das Gymnasium St. Augustin

Im Jahr 1550 veranlasste der sächsische Kurfürst Moritz die Einrichtung einer Fürstenschule in dem ehemaligen Klostergebäude des Augustiner-Eremiten-Ordens, welches um 1300 erbaut wurde. Im 19. Jahrhundert erfolgten mehrere notwendige Umbauten und Abrisse. Das heutige Schulgebäude im Neorenaissance-Stil wurde im Jahr 1891 eingeweiht.





Das Schloss

Von 1389 bis 1402 wurde die schon bestehende Burganlage zu einem Schloss ausgebaut, das den Wettinern im 15. und 16. Jahrhundert als eine Nebenresidenz diente. Herzog Albrecht, der Begründer der albertinischen Linie, wurde 1442 dort geboren. In der Folgezeit wurde Grimma als Justizstandort ausgebaut und ab 1880 war im Schloss das Amtsgericht mit einem Gefängnis untergebracht. Bis heute ist das Gebäude Sitz des Amtsgerichtes und eine Außenstelle der Staatsanwaltschaft Leipzig.



Blick auf das Schloss von der Pöppelmannbrücke auf das Schloss und die Mulde

Die Pöppelmannbrücke

Die Steinbrücke wurde von 1716 bis 1719 nach den Plänen des Zwingerbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann errichtet. Im Verlauf des Hochwassers 2002 wurde sie stark beschädigt und musste letztendlich gesprengt werden. Der Wiederaufbau erfolgte und seit 2012 ist sie wieder freigegeben, allerdings nur für den Fußgängerverkehr.

Der Wappenstein mit lateinischer Inschrift zu Ehren Kurfürst Friedrich Augusts II.

Das Rathaus

Das Rathaus wurde nach einem Stadtbrand im Jahr 1538 neugebaut und erhielt dabei seinen, das Altstadtbild von Grimma, prägenden Renaissancegiebel. Die Rathausgalerie wurde am Ende des 18. Jahrhunderts angebaut und diente zeitweise den in der Stadt stationierten Husaren als Unterkunft. Heute befindet sich darin die Städtische Galerie.











                                                                                                                                                            
Das Seumehaus

In diesem Gebäude von 1550 befand sich ab 1797 die Druckerei von Georg Joachim Göschen. Johann Gottfried Seume wohnte und arbeitete hier, bis er 1801 seinen sehr langen Spaziergang antrat.




Der Marktbrunnen

Der Brunnen stammt aus dem Jahr 1912. Die weibliche Figur, im Volksmund wegen des Apfels in ihrer Hand „Eva“ genannt, schuf der Bildhauer Paul Pilz. Die Enthüllung der Figur verursachte, wohl aufgrund ihrer Nacktheit, eine gewisse Empörung und wurde des Öfteren Opfer von sittlichem Vandalismus. Im Jahr ihrer Aufstellung beispielsweise wurde sie mit einem Höschen und einem Kopftuch bekleidet. (Wenn das heute einer machen würde, würde sich sofort eine Bürgerwehr gründen, die ‚Islamisierung‘ schreit und die Rechte der Frauen verteidigt.)



Die Frauenkirche

Der Kirchenbau geht auf einen romanischen Vorgängerbau aus dem Jahr 1170 zurück. Im 13. Jahrhundert wurde sie im Stile der Gotik erweitert. Die beiden das Stadtbild prägenden Türme sind 40 m hoch.
Neben der Kirche steht eine Lutherbüste, die von Ernst Rietschel im Jahr 1883 geschaffen wurde. (Nach ihm wurde auch ein sehr leckerer Kuchen benannt. Also nach Rietschel, nicht nach Luther.) 






Das Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Hohnstädt

Lange bevor Hohnstädt ein Stadtteil von Grimma wurde, gehörte es als Rittergut zum Besitz der 1630 geadelten Familie von Döring. Das barocke Herrenhaus wurde um 1700 errichtet. Die Fenster- und Portaleinfassungen bestehen aus Rochlitzer Porphyr und Sandstein. Im Jahr 1787 wurde das Rittergut an Johanna Christiana Loth aus Leipzig verkauft. Im Jahr 1865 wechselte es nochmal den Besitzer und gehörte nun der Familie Platzmann bis zur Enteignung im Jahr 1945. Danach wurde das Herrenhaus als Kindergarten genutzt. Nach dessen Schließung steh es bis heute leer.

   


Die Hohnstädter Pfarrkirche

Die Ursprünge dieser Kirche liegen im 13. Jahrhundert. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr sie mehrere Umformungen. Ein größerer Umbau erfolgte von 1652 bis 1661. In den Jahren 1857 und 1895 wurde die Kirche nochmals umgebaut und räumlich vergrößert. Die Kirchturmspitze musste nach einem Unwetter im Jahr 1974 abgerissen werden. Sie wurde in den Jahren 2009 und 2010 wieder aufgesetzt.




Weitere Gebäude und Denkmäler, über die ich aber nichts Genaues weiß



Ein 1913 eingeweihter Anbau an das Lehrerseminar mit Festsaal und Orgel; heute als soziokulturelles Zentrum und Sitz des Jugendblasorchesters genutzt.

Eines der ältesten Häuser Grimmas; 1230 gebaut als Niederlassung der Kapelle des Templerordens

Die "Alte Handelsschule" wurde 1530 als städtische Knabenschule errichtet.

Das Ackerbürgergut mit Schwarzer Küche und Schmiede stammt aus dem 13. Jahrhundert.



Das Husarendenkmal.
Von 1818 bis 1919 war das 2. Königlich Sächsische Husarenregiment Nr. 19 in Grimma stationiert.

Der sanierte und im Tudorstil gebaute Teil des Ritterguts Hohnstädt. Bis 1945 im Besitz der Familie Platzmann.

Der Hohnstädter Wasserturm

Denkmal für die sowjetischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, errichtet 1945.
Bis 1992 war ein Panzer des Typs T-34 Bestandteil des Denkmals. Er wurde auf Wunsch der Bevölkerung entfernt.

Fassadentierchen

Grimma ist eben rundum schön.