Mittwoch, 30. Mai 2018

Weißenfels

Geburtstag: um 1185 (Stadtgründung)
Einwohner: 27.320
Bekannt für: ein untergegangenes sächsisches Herzogtum, Schuhe, einen Mann namens Novalis



Noch nie ist es mir so schwergefallen, mir nach dem Besuch eines Ortes ein Highlight herauszupicken und darüber einen schönen einleitenden Text zu schreiben. Denn Weißenfels hat grob geschätzt eine Fantastilliarde Highlights. Nahezu jede Epoche und die zu ihr gehörenden Menschen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Es ist mir selbst nach mehreren Besuchen nicht gelungen, alle sehenswerten Gebäude, Denkmäler und Brunnen zu sehen. (Wieso gibt es überhaupt so viele Denkmäler und Gedenksteine? Ist das so eine Art Kleinstadtfetisch?) Und deshalb, mein liebes Weißenfels, bleibt mir nur folgendes zu sagen: „Heute ist nicht alle Tage. Ich komm‘ wieder. Keine Frage.“ (Und das meine ich vollkommen ernst. An meinem Kombiticket ist noch ein Museum übrig.)

Was gibt’s da zu sehen? (Liste definitiv unvollständig)

Das Schloss Neu-Augustusburg

Die heute noch bestehende dreiflügelige Schlossanlage wurde in den Jahren 1660 bis 1694 auf den Resten der aus dem 10. Jahrhundert stammenden Burg errichtet. Der Schlossbau war nötig geworden, da der sächsische Kurfürst Johann Georg I., zu dessen Herrschaftsgebiet Weißenfels gehörte, in seinem Testament verfügt hatte, dass Kursachsen nach seinem Tod unter seinen Söhnen aufgeteilt werden soll. So entstanden, als der Kurfürst 1656 verstarb, die kursächsischen Nebenlinien (auch Sekundogenitur genannt) Sachsen-Merseburg, Sachsen-Weißenfels und Sachsen-Zeitz. Da der letzte Herzog Johann Adolf II. 1746 ohne männlichen Erben verstarb, fiel das Herzogtum wieder an die kursächsische Hauptlinie zurück und Weißenfels verlor seinen Status als Residenzstadt. Die Ausstattungsstücke des Schlosses wurden nach Dresden verbracht. Das Schloss blieb lange unbewohnt. Seit 1816 gehörte Weißenfels zur preußischen Provinz Sachsen. Ab 1820 wurde das Schloss zur Friedrich-Wilhelm-Kaserne umgebaut und ab 1832 vom Füsilierbataillon des 31. Preußischen Infanterieregimentes bezogen. In den folgenden Jahrzehnten durchlief das Schloss mehrere verschiedene Nutzungen, z. B. als Unteroffiziersschule, Sammellager für politische Häftlinge und Flüchtlingslager. Ab 1964 wurde das Schloss als Schuhmuseum genutzt. Auch heute noch hat die große Schuhsammlung ihren Platz im Schloss. Außerdem findet man noch einige Räume über die Schloss-, Stadt-, und Regionalgeschichte. Zurzeit finden umfassende Renovierungsarbeiten am und im Schloss statt.

Der Schlossneubau wurde unter dem Baumeister Johann Moritz Richter und seinem gleichnamigen Sohn verwirklicht.



Die Ballustrade als Hofebegrenzung

Die Schlosskirche St. Trinitatis mit der Fürstengruft ist das Einzige, was auch von innen noch barock ist.
Der herzogliche Hof zog viele Künstler nach Weißenfels.
Die Reste der Burganlage, auf denen das Schloss errichtet wurde. Die Burg gab dem Ort ab 1185 ihren Namen, denn sie stand auf weißem Fels.

Im Hintergrund steht das Latrinengebäude, welches als Teil der Friedrich-Wilhelm-Kaserne gebaut wurde. Nach Jahren des Verfalls wurde es in den 2008 bis 2009 saniert.


Während der Zeit als herzogliche Residenzstadt erlebt das Schuhmacherhandwerk einen ersten Aufschwung, da der Bedarf an Luxus- und Gebrauchsschuhwerk stieg.
Während der Industrialisierung siedelten sich viele Fabriken in Weißenfels an und machten es zu einem Industriestandort. Darunter waren besonders viele Schuhfabriken. Um 1900 war Weißenfels der zweitgrößte Standort der Schuhherstellung mit 64 Fabriken.

Radklebepresse mit 24 Pressstellen
um 1940
Modell: Usurpator

In der DDR entwickelte sich Weißenfels zum größten Schuhproduzenten des Landes. In der Stadt war auch die Betriebsfachschule "Junge Garde" untergebracht, die größte Bildungsstätte für den Facharbeiternachwuchs für die Schuhindustrie. Der VEB Kombinat Schuhe Weißenfels "Banner des Friedens" wurde 1979 gegründet.

Auf Grund von Renovierungsarbeiten ist die Dauerausstellung zur Barocken Fürstenresidenz im Thronsaal, mit der sehr schönen Hofrangordnungspyramide von 1715, zur Zeit nicht zu besichtigen. Im ehemaligen Tafelgemach wird nur ein kleiner Teil als Interimslösung gezeigt.
Diese Dame kann man zum Beispiel bewundern.
Johanette von Sachsen-Weißenfels, geb. von Sachsen-Eisenach (#inzest4life)
1698-1726
war die erste Gemahlin von Johann Adolf II.
(unbekannter Maler, um 1725, Öl auf Leinwand)
Auch zu sehen: Der Verlobungsring von Novalis
Seine Verlobte Sophie von Kühn starb 1797 kurz vor ihrem 15. Geburtstag.

Allerlei Angesammeltes aus der Zeit als Weißenfels eine Garnisonsstadt war bzw. in der Nähe zu diversen Kriegsschauplätzen, wie der Schlacht bei Roßbach 1757 und der Schlacht bei Großgörschen 1813.
Sneak Peek auf die kommende Sonderausstellung "Helden im wilden Osten", zu sehen ab dem 31.05.2018.

Das Heinrich-Schütz-Haus

Heinrich Schütz war einer der wichtigsten deutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts. Bereits seine Kindheit verbrachte er in Weißenfels. Nach einem Musikstudium in Venedig war er ab 1617 Hofkapellmeister am kurfürstlichen Hof in Dresden. Im Jahr 1651 kaufte Heinrich Schütz das Haus und verbrachte darin bis 1672 seinen Lebensabend zusammen mit seiner verwitweten Schwester Justinia. Das Haus selbst wurde bereits um 1552 gebaut.

Selbst für Nicht-Liebhaber der klassischen Musik ist das Museum im Heinrich-Schütz-Haus sehens- und vor allem hörenswert. In den Jahren 2010 bis 2011 wurde das Haus saniert und seit 2012 ist darin die sehr umfassende Ausstellung über den Komponisten untergebracht.


Die Hörstationen sind wirklich schön gemacht. Wobei mir, wie so oft, die Kinderversion am besten gefällt. Dem ein oder anderen Zuschauer einer gewissen Leipziger Zoosendung wird vielleicht der Sprecher bekannt vorkommen, 





Das Gustav-Adolf-Museum im Geleitshaus

Als Kleinstadt kann man sich seine historischen Promis meistens nicht aussuchen und muss jeden so nehmen, wie er kommt. Für die Region um Leipzig bedeutet das, dass die mehr oder weniger bekannten Menschen entweder etwas mit den napoleonischen Befreiungskriegen zu tun hatten oder mit dem Dreißigjährigen Krieg. Ein sehr bekannter Angehöriger des letztgenannten historischen Ereignisses kam hier im Jahr 1632 an. Es handelte sich um den schwedischen König Gustav II. Adolf. Jedoch betrat er das Haus nicht auf eigenen Füßen, denn er war kurz vorher in der Schlacht bei Lützen gefallen. Seine Leiche wurde hier im Erkerzimmer obduziert und einbalsamiert und für den Leichenzug nach Schweden vorbereitet.

Das Gebäude wurde 1552 vom herzoglichen Kanzler Dr. Hieronymus Kiesewetter, als erstes ganz aus Stein gebautes Haus in Weißenfels, errichtet. Bis 1555 als Wohnhaus genutzt, wurde es danach in ein Geleitshaus umgewandelt. Seit 1931 befindet sich das Museum im Haus, seit 2006 auch ein Irish Pub.



Das Museum behandelt den Verlauf und die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) mit besonderem Blick auf Weißenfels. In der Bildmitte ist eine drehbare Schießscharte der Weißenfelser Stadtbefestigung zu sehen.

Das Diorama der "Schlacht bei Lützen, 06.11.1632" fertigte der Weißenfelser Pädagoge und Lehrer Max Brauer. Es umfasst 10.000 Zinnfiguren. Max Brauer benötigte 20 Jahre für die Aufstellung. Dioramen mögen etwas altbacken und auf den ersten Blick langweilig wirken. Aber sie sind sehr gut dafür geeignet, sich die Dimension und den Verlauf von solchen historischen Ereignissen vor Augen zu führen.

Das Erkerzimmer

Die Novalis-Gedenkstätte

Der bekannteste Celebrity der Stadt Weißenfels ist wahrscheinlich Friedrich von Hardenberg a. k. a. Novalis. Seine Familie zog 1785 nach Weißenfels. Obwohl Novalis bereits mit 28 Jahren starb, gilt er als einer der bedeutendsten Vertreter der Frühromantik. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller hatte er auch „was Ordentliches“ gelernt bzw. studiert und arbeitete als Akzessist in der Lokalsalinendirektion in Weißenfels. All das und noch viel mehr erfährt man in der Novalis-Gedenkstätte, die sich im ehemaligen Wohnhaus der Familie von Hardenberg befindet.


Der Pavillon im anschließenden Garten


Wenige Gehminuten vom ehemaligen Wohnhaus entfernt, liegt das Grab von Novalis am Eingang des Stadtparks. Die Büste des Dichters wurde vom Bildhauer Fritz Schaper aus Berlin gefertigt und aus Anlass seines 100. Geburtstages aufgestellt. 





Das Rathaus

Im Jahr 1668 gab es einen Stadtbrand, der neben vielen Gebäuden auch das Rathaus zerstörte. Im Jahr 1670 war der Rathausneubau fertiggestellt. Bei einem erneuten Brand im Jahr 1715 wurden die oberen Stockwerke des Gebäudes beschädigt. Das Rathaus wurde nochmals erneuert und erhielt sein heutiges barockes Aussehen nach den Plänen des Landesbaumeisters Christoph Schütze.

Solche Bilder kommen dabei heraus, wenn man versucht die Baustelle im unteren Bereich nicht mit zu fotografieren. Zur Zeit ist der gesamte Marktplatz eine Baustelle.
Die Stadtkirche St. Marien

An der Stelle der heutigen Kirche wurde vermutlich schon um 1303 ein Vorgängerbau geweiht. Das heutige Gebäude wurde um 1429 errichtet. Die barocke Turmhaube schuf Christoph Schütze 1718 nach dem Stadtbrand. Im Jahr 1862 wurde die Kirche renoviert und erhielt eine Orgel des Weißenfelser Orgelbauers Friedrich Ladegast.

Gleiches Foto-Problem wie beim Rathaus.



Das Kloster St. Claren

Der Gebäudekomplex entstand im Jahr 1301. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgelöst und in ein Frauenstift umgewandelt. Im Jahr 1664 gründete der erste Weißenfelser Herzog August hier das Gymnasium illustre Augusteum, welches bis 1793 bestand. Nach mehreren verschiedenen Nutzungen, u. a. als Museum und Bibliothek, kümmert sich seit 2011 ein Bürgerverein um das Kloster



Der Bismarckturm

Der 21 Meter hohe Turm wurde in den Jahren 1906 bis 1907 errichtet. Ab 1949 wurde er in Keplerturm umbenannt. Die Adler und das Bismarckrelief wurden entfernt. Dies wurde nach der Wiedervereinigung rückgängig gemacht und der Turm erhielt auch wieder seinen ersten Namen.

Der Turm liegt im Park auf dem Klemmberg, welcher in den Jahren 1904 bis 1907 als „Bürgerpark“ angelegt wurde.




Sonstige schicke Gebäude

Die Kavaliershäuser in der Marienstraße ....

... wurden in den Jahren 1720 bis 1725 erbaut.


Die Stadtschule wurde 1553 als Knabenschule erbaut.
Das Kantorenhaus wurde um 1470 errichtet und zählt zu den ältesten noch erhaltenen Wohnhäusern der Stadt.

Das Sitznischenportal wurde nach 1600 angebracht
Das Fürstenhaus wurde 1673  von Johann Moritz Richter erbaut, der auch der Architekt des Schlosses war. Das  barocke Gebäude diente als Dienst- und Wohnsitz der hochgestellten Hofebeamten. Über dem Durchgangsportal finden sich zwei Figuren: links Minerva und rechts Merkur.

Der Ratssaal wurde 1870 gebaut und diente zeitweise als Aula. Heute finden dort Ratssitzungen statt.

Das Goethegymnasium wurde in den Jahren 1912 bis 1914 errichtet.

Durch die Unterbrechungen des 1. Weltkrieges wurde der gesamte Bau erst 1920 abgeschlossen. Das Gebäude ist im Neobarock errichtet.



Alt-Weißenfels ist ein ehemaliges Gasthaus, welches 1697 erbaut wurde.

Das schon lange leerstehende Gebäude wird von der Hochschule Merseburg für fotografische Installationen genutzt. Seit 2015 sind Nachbildungen der Bilder des Fotografen Horst P. Horst (1906-1999) zu sehen, der in Weißenfels geboren wurde.

Das Hofmarschallhaus wurde 1709 fertiggestellt. Es wurde für Hans Moritz von Brühl (1665-1727) errichtet, der in den Diensten des Herzogs von Sachsen-Weißenfels stand.

Allerlei stadtverschönernder Kleinkram

Der Stadtpark war bis 1851 ein Friedhof.

Im Jahr 1876 wurde er für immer stillgelegt. 

Ab 1905 wurde mit dem Umbau begonnen. An den Rändern des Parks sind immer noch Gräber und Gedenksteine zu finden.
             
Eines der vielen Werke, die aus dem 7. Steinbildhauersymposium in Weißenfels aus dem Jahr 2000 hervorgingen.
José Villa Soberon
Havanna, Kuba
"Karibik"

Der Gedenkstein für Adolph Müllner (1774-1829) aus rotem Nebraer Stein steht gegenüber der Novalis-Grabstätte. Adolph Müllner lebte bis zu seinem Tod in Weißenfels. Er war Theaterkritiker, verfasste aber auch eigene Stücke.
Der Schillerstein im Park auf dem Klemmberg wurde 1905 anlässlich des 100. Todestages aufgestellt. Friedrich Schiller weilte einige Tage im Jahr 1794 in Weißenfels. Als Novalis ihn während einer Krankheit pflegte, soll er sich angeblich bei Schiller angesteckt haben und daran gestorben sein.
Die Feldherrenbank befindet sich auch im Park auf dem Klemmberg. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zu Ehren der beiden  preußischen Generäle Friedrich Wilhelm von Seydlitz (1721-1773) und Gebhardt Leberecht von Blücher (1742-1819) errichtet. Der Entwurf stammt von Paul Juckoff, der noch viele andere Kunstdenkmäler in der Stadt schuf.
Noch ein Werk aus dem 7. Steinbildhauersymposium, welches im Schlosspark steht.
Olga Belooussova
St. Petersburg, Russland
"Käfig für die Seele"/"Dünne Wand zwischen Leben und Tod"
                     
Die Figur des Schusterjungen bzw. Stadtjungen steht am Eingang des Stadtparks. Die Bronze wurde 1905 von dem Bildhauer Paul Juckoff gefertigt.
               
Die Saale mit der im Hintergrund zu sehenden Pfennigbrücke. Die 93 m lange Fußgängerbrücke wurde 1876 errichtet. Der Name leitet sich ab von den Kosten des Überganges, der damals drei Pfennige betrug. Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht. Ich habe sie (noch) nicht benutzt.
Der Klosterbrunnen steht gegenüber des Heinrich-Schütz-Hauses. Ursprünglich stand er im Innenhof des Klosters St. Claren und wurde später hierhin versetzt. Er ist an keine Wasserleitung angeschlossen und somit nicht funktionstüchtig.
Der Stadtbrunnen in der Jüdenstraße wurde im Jahr 2000 vom Modellbauer Bonifatius Stirnberg geschaffen. Er zeigt verschiedene Elemente der Stadtgeschichte.

Hier im Vordergrund sieht man ein Fürstenpaar, welches stellvertretend für das Herzogtum Sachsen-Weißenfels steht. Bei allen anderen Elementen darf gerne geraten werden.
...und zum Schluss diverser Fassadenschmuck