Mittwoch, 20. Juni 2018


Rötha

Geburtstag: 1127 (urkundliche Ersterwähnung)
Einwohner: 6215 (inklusive aller Ortsteile)
Bekannt für: einen Stausee, viel Obst, ein gesprengtes Schloss und irgendwas zum Thema „Völkerschlacht“

Das Wappen mit dem Heiligen Georg wird von der Stadt Rötha seit 1886 benutzt. Das Fenster stammt aus dem Gasthof "Drei Rosen" und wurde 1931 gestiftet.

Es ist natürlich schlimm, wenn ein Schloss oder ein Herrenhaus leerstehen und langsam vor sich hingammeln. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn einem Schloss nicht mal die Chance gegeben wird, in Ruhe zu einer Ruine zu verfallen. So ist es dem Schloss in Rötha ergangen, welches 1969 gesprengt wurde. Aus Gründen.
Im Jahr 1592 erwarb Carl von Friesen das Schloss und das Rittergut Rötha. Nach dem das Gebäude im 30-jährigen Krieg einigen Schaden erlitten hatte, wurde ein Schlossneubau veranlasst, welcher 1668/69 abgeschlossen wurde. Die Mitglieder der Adelsfamilie von Friesen waren hauptsächlich am sächsischen Hof tätig, beispielsweise als Geheime Räte oder hohe Militärangehörige.
Zu einem wichtigen Ort wurde das Schloss Rötha im Jahr 1813 kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig. Nachdem schon der preußische Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher das Schloss nach der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai 1813 als Hauptquartier nutzte, taten es ihm Kaiser Franz I. von Österreich, Zar Alexander I. von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen gleich. Vom 16. bis zum 19. Oktober diente das Schloss Rötha auch den verbündeten Monarchen als Koordinationszentrum.
Die Herren von Friesen blieben bis zur Enteignung im September 1945 wohnhaft auf Schloss Rötha. Danach verfiel das leerstehende Schloss. Am 16. und 17. Dezember 1969 wurde es gesprengt und abgebrochen.
Heute steht an der Stelle des Gebäudes ein Denkmal, welches auf die Bedeutung während der Völkerschlacht hinweist. Der Schlosspark, der auch mehr oder weniger verwachsen war, wird seit einigen Jahren wieder nach den historischen Vorlagen hergerichtet.





In der „Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsens“ beschrieb Cornelius Gurlitt 1891 das Schloss mit den folgenden Worten: „Auf der Stelle einer früheren Wasserburg errichtet, deren Befestigungen noch deutlich zu erkennen sind. Die sogenannte kleine Pleisse ist durch Menschenhand um die eine Seite der Wirthschaftsgebäude und einen Theil des Gartens geleitet. (…) Die Gesamtanlage bildete demnach eine Insel, in deren westlichem Theile sich, wiederum inselartig, von einem jetzt theilweise zugeschütteten Wassergraben umgeben, das Schloss erhebt. (…) In der Mitte des 17. Jahrh. machte der gefährliche Zustand des Gebäudes dessen Umbau nöthig. (…) Die 26,3 m breite, 34,3 m tiefe und bis zu dem Hauptgesims 19,7 m hohe Anlage zeigt vier thurmartige, viergeschossige Eckbauten, von welchen in neuerer Zeit der nordwestliche abgetragen werden musste, die östlichen springen in einer Breite von 8,57 m vor. Zwischen ihnen erhebt sich der 28,7 m hohe Thurm mit Inschriftstafel.“

Was gibt es noch zu sehen?

Das Heimatmuseum

Das Heimatmuseum, welches hauptsächlich ehrenamtlich geführt wird, befindet sich im ehemaligen Gefängnisgebäude des Amtsgerichtes von Rötha. Es wurde 1910 gebaut und war bis 1953 in Benutzung.
Das Museum umfasst alle Epochen von der Früh- bis zur Zeitgeschichte, sowie alle Personen und Ereignisse, die für die Stadtgeschichte prägend war. Wie das immer bei ehrenamtlichen Einrichtungen der Fall ist, ist das Geld an allen Ecken knapp. Also, meine liebe Leserschaft, wenn ihr mal in der Nähe seid, gönnt doch dem Museum und eurer eigenen Bildung den einen Euro Eintrittsgeld.

Im linken Gebäude des ehemaligen Gefängnisses befindet sich das Heimatmuseum. Im rechten Gebäude des ehemaligen Amtsgerichtes befindet sich heute ein Mehrgenerationenhaus mit Kindertagesstätte und Stadtbibliothek.
Neben den klassischen Räumen eines Heimatmuseums ...

.... gibt es auch spezielle Räume zur Regions- und Stadtgeschichte, wie z. B. über die zugunsten des Braunkohleabbaus devastierten Dörfer.

Das Heimatmuseum besitzt auch einige Stücke des 1969 abgerissenen Schlosses.

Ein Modell des Schlosses um 1813 (Maßstab 1:100).

Eine Gefängniszelle im Kellergeschoss des ehemaligen Gefängnisses. Das Gebäude war mit dem benachbarten Amtsgericht durch einen unterirdischen Gang verbunden.


Die St. Georgenkirche

Die Kirche wurde um 1140 gebaut. In den folgenden Jahren wurde die Kirche mehrfach umgebaut, besonders während des 17. Jahrhunderts. Die Silbermannorgel wurde 1721 eingeweiht.





Die St. Marienkirche

Die Kirche wurde in den Jahren 1508 bis 1520 erbaut. Der Bau wurde nie richtig abgeschlossen, weshalb die Kirche hauptsächlich aus einem großen Chorraum besteht. 1932 stürzte der Turm ein und wurde nicht wiederaufgebaut. Auch die Marienkirche hat eine Silbermannorgel, die 1722 eingeweiht wurde.



Die Obstweinschenke

Rötha trägt auch den Beinnamen „Gartenstadt“. Dies geht zurück auf Friedrich Otto Heinrich von Friesen, der den Obstanbau in Rötha ausbauen wollte, da die Obsternten immer ertragreicher wurden. Im Jahr 1875 wurde eine Gärtnerlehranstalt gegründet und 1883 die Röthaer Großkelterei, die die Obsternte industriell verarbeitete. Im Jahr 1888 eröffnete die Obstweinschenke, die sich zu einem beliebten Ausflugsziel etablierte. Ende des Jahres 1993 wurde sie geschlossen und verfällt seitdem.




Der Wasserturm

Der Wasserturm wurde 1913 errichtet und ist 35 Meter hoch. Er dient immer noch der Wasserversorgung und wird derzeit saniert.



Das Volkshaus

Direkt neben dem Wasserturm steht das Volkshaus von Rötha. Es wurde 1926 eröffnet.




Der Stausee

Der Stausee wurde in den Jahren 1938 bis 1942 angelegt. Vorher befanden sich dort Wiesen und Obstplantagen. Der See beinhaltet 275.000 m³ Wasser und wird durch die Pleiße gespeist.



Sonntag, 10. Juni 2018

Wölkau

Geburtstag: 1222 (urkundliche Ersterwähnung)
Einwohner: 629
Bekannt für: einstürzende Altbauten


„Lass die Tür nicht so lange offenstehen! Da kommt bloß der Schwamm ´rein.“ Dieser Satz, der oft als humoristische Erziehungsmaßnahme dient, ist für das Schloss Schönwölkau bitterer Ernst geworden. Und der Hausschwamm ist nur einer von vielen Punkten, die den Verfall dieses einstmals schönen Schlosses beschleunigen.
Aber beginnen wir die Geschichte vorn. Im Jahr 1659 kaufte Christoph Vitzthum von Eckstädt das Rittergut (welches damals noch Klein-Wölkau hieß) vom Vorbesitzer Johann Gottfried von Schönfeld. Der Bau der Vierflügelanlage zog sich vermutlich bis zum Jahr 1703 hin und wurde von einem unbekannten italienischen Architekt ausgeführt. Ab 1712 ließ Friedrich, der Sohn von Christoph Vitzthum von Eckstädt, die Fassade des Herrenhauses nochmals umgestalten. Besonders die Gebäudeseite zum Park wurde mit barocken Elementen verziert. Der Schlosspark wurde nach französischen Vorbildern angelegt.
Das Schloss und der umfassende Landbesitz in und um Wölkau blieben bis zur Enteignung im Herbst 1945 im Besitz der Grafenfamilie Vitzthum von Eckstädt. Das Rittergut Wölkau wurde in das Volkseigene Gut Wölkau umgewandelt, welches den Wirtschaftshof des Schlosses weiternutzte. Der Südflügel wurde der Sitz des Kreiskulturhauses. In den restlichen Schlossräumen und der Orangerie wurden Wohnungen eingerichtet.
Seit Anfang der 1990er Jahre stand das Schloss leer. Im Jahr 1998 fand sich eine Investorengruppe, (unter ihnen ein bekannter Pianist und Dirigent) die das Schlossareal kaufte, mit dem Bestreben es in ein Kulturzentrum zu verwandeln. Die Investitionen lassen bis heute auf sich warten. Die einzige Aktion war die Errichtung eines Bauzaunes um die Schlossanlage. Auch die Verhängung von Strafgeldern seitens der Gemeinde haben keine Bewegung der Investoren hervorgerufen. Inzwischen gibt es einen neuen – angeblich sanierungswilligen – Interessenten für das Objekt. Ich wünsche es der Schlossanlage und auch dem ganzen Ort, dass es diesmal gut ausgeht. Und für alle Menschen, die mit dem Gedanken spielen sich ein Schloss zu kaufen, kommen hier noch ein paar – offensichtlich notwendige – Bemerkungen: Überlegen Sie sich diesen Kauf gut! Der Kaufpreis ist meistens der geringste Kostenpunkt, denn denkmalschutzgerechtes Bauen kostet nun mal Geld und Geduld, aber vor allem Geld. Ein Schloss zu kaufen mit allem was rundherum dazugehört ist (oder sollte) ein Lebens- bzw. Herzensprojekt sein. Machen Sie es richtig oder lassen Sie es sein! Ich habe langsam echt keine Nerven mehr für traurige Schlossgeschichten aus der Provinz, vor allem da es inzwischen auch so viele schöne Schlossgeschichten gibt.



Die Schlosseinfahrt lässt schon Schlimmes erahnen.
Die Vierflügelanlage verfügt über zwei Innenhöfe.

Die Fassade des Südflügels zur Parkseite

Im Dreiecksgiebel ist links das Wappen des Grafen Friedrich Vitzthum von Eckstädt und rechts das seiner Frau Rahel Charlotte von Hoym zu sehen.

Die ehemalige Orangerie
Der Schlosspark schließt sich an den Südflügel des Schlosses an.
Die barocke Parkgestaltung ist nur mehr zu erahnen.

An den nördlichen Teil des Schlosses schließt sich ein Teich an ...
... an dem man auch Angeln kann.
Das Rote Haus (im Volksmund auch "Kutscherhaus" genannt)
Es wurde 1867 als Wohnhaus für die Bediensteten erbaut. Auch nach der Bodenreform diente es bis 1989 als Wohnhaus. Da es mit dem Schloss veräußert wurde, steht es jetzt leer.
Ein positives Beispiel, wie man mit historischen Bauwerken umgehen kann, gibt es schon im Ort selbst. Die Patronatskirche, die in den Jahren 1680 bis 1688 unter Christoph Vitzthum von Eckstädt errichtet wurde, war ausschließlich den Gottesdiensten der Gutsherren vorbehalten. Schon kurz nach der Fertigstellung zeigten sich Risse, die repariert werden mussten. Doch die Risse kamen immer wieder, vor allem im Gewölbe. Die dauernde Reparaturbedürftigkeit ist wahrscheinlich auf eine fehlerhafte Baukonstruktion zurückzuführen. Der endgültige Einsturz des Daches erfolgte im Jahr 1969 und die Kirche verfiel zur Ruine. Nach der Wende gab es einige Sanierungsmaßnahmen und ein Verein nahm sich der dachlosen Kirche an. Inzwischen dient sie als Veranstaltungsort für verschiedene kulturelle Veranstaltungen. Den Kirchenturm kann man besteigen.

Sehr häufig stolpert man in Wölkau auch über den Namen des Dichters und Philosophen Christoph Fürchtegott Gellert. Sowohl die Grundschule als auch die evangelische Kirche tragen seinen Namen. Tatsächlich war Gellert oft zu Gast im Schloss und beschrieb das Schloss und den Park ausführlich.