Samstag, 28. Juli 2018

Schnaditz

Geburtstag: 1237 (urkundliche Erwähnung der in der Burg lebenden Ritter)
Einwohner: 362
Bekannt für: den Ursprungsort einer Novelle

Mit dem historisch-literarischen Erbe dieses Ortes nicht konfrontiert zu werden, ist ziemlich schwer.

Bei der Erwähnung des Schlosses Schnaditz sollte es bei allen Menschen, die auf dem Gymnasium Deutsch als Leistungskurs belegt haben, schon ein bisschen klingeln. Leider trifft das nicht auf mich zu, da es bei mir nur zum Grundkurs gereicht hat und ich deshalb, was Literatur angeht, einigermaßen ungebildet bin.
Allen anderen Menschen, die etwas mehr von den Klassikern der deutschen Literatur verstehen, ist inzwischen vielleicht eingefallen, dass ein gewisser Michael Kohlhaas in der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist das Schloss anzündete. Die literarische Hauptfigur geht auf die historische Figur des Hans Kohlhase (um 1500-1540) und seine Auseinandersetzungen mit dem damaligen Rechtswesen zurück. Im Jahr 1532 war er auf dem Weg zur Herbstmesse in Leipzig und machte Rast in Wellaune. Dabei geriet er in einen Streit mit den Untertanen des Rittergutsbesitzers Günther von Zaschnitz (auch Zaschwitz), die ihm vorwarfen zwei Pferde gestohlen zu haben und diese dann von ihm einbehielten. Der Ursprung des ganzen Konflikts ist ein bisschen verworren, da die Zeugenaussagen sich widersprechen und keiner von seiner Sicht abrückte. Der Fall durchlief mehrere Instanzen und landete schließlich beim brandenburgischen Kurfürsten Joachim I., den Kohlhase um Vermittlung beim sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. bat. Da keine rechtliche Einigung zustande kam und die juristischen Mittel für Kohlhase ausgeschöpft schienen, kündigte er Günther von Zaschnitz und dem Land Sachsen 1534 eine Fehde an. Günther von Zaschnitz verstarb im selben Jahr. Hans Kohlhase führte seine Fehde aber bis 1540 weiter und zog plündernd und brandschatzend mit seinen Getreuen durch das Land. Schließlich wurde die Bande von Häschern des Kurfürsten von Brandenburg in Berlin aufgegriffen und verhaftet. Am 22. März 1540 wurde Hans Kohlhase wegen Landfriedensbruchs zum Tode verurteilt und hingerichtet. Heinrich von Kleist verarbeitete den historischen Stoff mit einigen dramaturgischen Änderungen. Die Novelle „Michael Kohlhaas“ erschien 1810 und die darin verarbeitete Auseinandersetzung mit den Begriffen Recht und Gerechtigkeit, sowie Rache und Selbstjustiz haben nichts an Aktualität eingebüßt. Wer Lust auf geistreiche Sommerlektüre hat, darf sie sich gern zu Gemüte führen und wer keine Lust darauf hat, dem kann ich nur die sehr gute Verfilmung mit einem herausragenden dänischen Hauptdarsteller ans Herz legen.

Tatsächliche ist nicht nachgewiesen, dass Hans Kohlhase jemals in Schnaditz war. Die im 13. Jahrhundert als Wasserburg gebaute Anlage geriet 1463 an die Adelsfamilie von Zaschnitz. Günther von Zaschnitz veranlasste um 1520 bis 1530 die heute noch sichtbaren Umbauten in ein spätgotisches Schloss. Bis 1655 blieb die Familie von Zaschnitz im Besitz des Rittergutes. Bis zur Enteignung des Grundes 1945 folgten viele adlige und bürgerliche Besitzer. Während der DDR-Zeit wurde das Schloss als Wohnhaus, Verwaltungssitz, Friseur, Kindergarten und Poststelle genutzt. Im Jahr 1999 kam es im Zuge der Eingemeindung des Ortes an die nahegelegene Stadt Bad Düben. Im Jahr 2014 wurde es an eine amerikanische Investorengruppe verkauft, welche beim Kauf Investitionen versprach und dann nahezu nichts tat. Seit März 2018 ist die Stadt Bad Düben durch Rückabwicklung des Kaufvertrags wieder Eigentümerin des Schlosses.


Der Wassergraben umgab einst die gesamte Burganlage. Heute ist nur noch der östliche Teil davon erhalten, der auch durch den angrenzenden Schlosspark führt.



Der Wehrturm misst 29 Meter.

Das Allianzwappen des Ehepaares Günther von Zaschnitz und Sophie von Poigk an der Außenseite

Die ehemalige Hofdurchfahrt
In den Innenräumen sind noch einige gotische Gewölbe erhalten.

Der Hibiskus blüht auf dem Schlossgelände aber ganz zauberhaft.

Der nebenan liegende Hof erinnert an die "guten alten Zeiten" anno 1237.

Dieses leerstehende (Vereins-?)Gebäude steht am Eingang des Schlossparks. Aus dem Inneren waren Klopfgeräusche zu hören, aber da ich nicht die Hauptdarstellerin meines eigenen Horrorfilms werden wollte, habe ich nicht nachgesehen, woher genau die Geräusche kamen. 
An eine Parkanlage erinnert nicht mehr viel, bis auf vereinzelte Rhododendren.
Aber ein bisschen Idylle lässt sich schon finden.

Die Pfarrkirche wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der Grundriss wurde nach dem Antoniuskreuz angelegt.
Der Turm stammt aus dem Jahr 1716.
Freitagmittag auf dem Dorf

Freitag, 20. Juli 2018

Seifersdorf

Geburtstag: 1335
Einwohner: 821
Bekannt für: einen schönen Landschaftspark im Tale



Was gibt es bei Sommerhitze Schöneres als durch einen schattigen Landschaftspark zu lustwandeln, der von einem Fluss durchzogen wird? Zu Zeiten Christina von Brühls, genannt „Tina“ (1756-1816) wohl nicht viel. Und weil ihr der gewünschte Landschaftspark fehlte und die Grünanlage des Wohnschlosses zu klein war, ließ sie einen eigenen Park im nahegelegen Seifersdorfer Tal anlegen, welches von der Großen Röder durchflossen wird. Nach ihren Wünschen und ganz dem damaligen empfindsam-romantischen Zeitgeist entsprechend, findet man als Besucher, auch heute noch, verschiedenste Tempel, Gedenksteine, Urnen und Sinnsprüche entlang des Weges. Beim Spazieren über den manchmal etwas steinigeren Weg kommen beim Besucher jedoch Zweifel auf, ob Tina von Brühl in ihrem zarten Empirekleid wirklich durch das Tal wanderte. Nichts desto trotz ist das Seifersdorfer Tal ein wunderschöner Ort indem sich Natur und Kultur perfekt zu einem großen Ganzen verbinden. Und auch wenn man beim ersten Besuch nicht alle Denkmäler entdeckt hat, ist es nicht so schlimm, denn der Park kann kostenfrei besichtigt werden. (Hinter der Pflege dieses Areals steht natürlich wieder ein Förderverein, der sich sicher über jede Spende freut. Und wenn ich so etwas schreibe, ist das keine Werbung. Es ist mir einfach eine Herzensangelegenheit, dass solche Kulturdenkmäler erhalten bleiben. Also wer möchte, kann ja mal ´nen Fuffi o. ä. auf das Spendenkonto werfen. Wer das nicht möchte, macht es eben nicht.)

Was gibt es da zu sehen?

Das Schloss

In den Jahren 1531 bis 1535 wurde an Stelle des heutigen Gebäudes ein Wasserschloss für Christoph von Haugwitz errichtet. Bis 1747 gehörte das Rittergut Seifersdorf der Adelsfamilie von Grünrod, die jedoch ausstarben. Danach fiel es in die Hände des kurfürstlich-sächsisch und königlich-polnischen Premierministers Heinrich von Brühl. Ab 1771 lebten sein Sohn Hans Moritz von Brühl und seine Schwiegertochter Christina von Brühl im Seifersdorfer Schloss. Seine heute noch neogotische Gestalt erhielt das Schloss aber erst zwischen 1818 bis 1826 unter Carl von Brühl und nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel.









Das Seifersdorfer Tal

Das Ehepaar von Brühl führte ein für Adelige relativ zurückgezogenes Leben in Seifersdorf. Damit aber keine geistige Langeweile aufkommt, legte Tina von Brühl einen Landschaftspark an. Am 26. Juli 1781, dem Geburtstag ihres Ehemannes, wurde der Tempel „Moritz und den ländlichen Freuden“ auf einer Waldwiese eingeweiht. Dieser Tempel und viele andere Gartenszenen sind nicht mehr erhalten oder inzwischen stark verfallen. Trotzdem gibt es im Seifersdorfer Tal noch viel zu entdecken. Und zwar so viel, dass ich leider auch manchmal nicht mehr weiß, welchem Dichter, Musiker oder sonstigem Lieblinglingsmenschen der Familie von Brühl welcher Stein gewidmet ist.


Die Große Röder durchfließt das Tal auf  zwei Kilometern Länge.


"Ach wie schön"
Dieser Ausspruch steht kaum erkennbar auf der unteren der beiden Sandsteintafeln. Auf der oberen steht: "Für Johanna und Moritz 1820".

Das Bad
Reste der Ufermauer

Denkmal des Grafen Heinrich von Brühl
Auf dem aufgeschütteten Steinhaufen thronte bei der Errichtung 1782 noch ein Sarkophag.

Das Herder-Denkmal
Einst war die lebensgroße Büste aus Sandstein, inzwischen ist sie aus Eisen. Die Sandsteinsäule wurde im Jahr 1927 erneuert.


Das Denkmal des Grafen Moritz und der Gräfin Christina von Brühl, genannt "Den freundlichen Pflegern dieses Thales"


Das Denkmal "Dem Sänger des Thales"
Es ist dem Hofkomponisten Johann Gottlieb Naumann (1741-1801) und dem Dichter und preußischen Beamten Wilhelm Neumann (1781-1834) gewidmet.

Das Denkmal des Grafen Carl von Brühl
Das Denkmal wurde 1791 zum Geburtstag des Grafen von seinen Eltern aufgestellt.

Der Denkstein auf der Waldwiese
Er wurde 1833 von Carl von Brühl aufgestellt, genau an der Stelle an der sich der Tempel "Moritz und den ländlichen Freuden" befand.


Die Marienmühle liegt mittig im Seifersdorfer Tal und ist eine beliebte Ausflugsgaststätte.

Über dem Eingang des Hauses thront das Wappen der Familie von Brühl und die Unterschrift C. Gr. v. B, was darauf hinweist, dass Carl von Brühl das Gebäude im 19. Jahrhundert neu errichten ließ.

Die Bergquelle "Schöpfe schweigend"


Der Obelisk
Der aus Sandstein gefertigte Obelisk ist ca. acht Meter hoch und steht auf einem ca. fünf Meter hoch aufgeschütteten Hügel und wurde 1784 aufgestellt.


Das Denkmal der Herzogin Amalie von Weimar
Die Herzogin war mit der Familie von Brühl eng befreundet. Die lebensgroße Büste war einst bunt bemalt und wurde wahrscheinlich in der Zeit nach ihrem Tod im Jahr 1807 aufgestellt.

Das Denkmal des Prinzen Leopold von Braunschweig
Leopold war der Bruder von Anna Amalie von Sachsen-Weimar und ertrank 1785 in der Oder bei Frankfurt, angeblich während er Menschen vor der Flut retten wollte. Um seinen vermeintlichen "Opfertod" ranken sich viele Legenden, die ihren Einzug in die bildende Kunst und die Literatur fanden.


Lauras Denkmal
Das Denkmal ist der Geliebten des Francesco Petrarca (1304-1374) gewidmet. "Petrarcas Hütte", die nur noch bruchstückhaft erhalten ist, steht direkt daneben.

Die Quelle der Vergessenheit der Sorgen

Die Hermannseiche mit dem Hermannsdenkmal
Dieses Denkmalensemble ist der historischen Figur des Arminius gewidmet, der besonders im 19. Jahrhundert zu einer Symbolfigur des deutschen Nationalismus wurde, der sich auch viele Schriftsteller widmeten.

Die Grundmühle
Sie liegt am südöstlichen Ende des Tales und gehört schon zur Ortschaft Liegau-Augustusbad.


Entweder ist das die Ruine der Vergänglichkeit oder der Altar der Tugend oder der Altar der Wahrheit.

Die Linde der Ruhe

Lorenzos Grab
Das Grab und die nicht mehr vorhandene gleichnamige Hütte beziehen sich auf den englisch-irischen Autor Laurence Stern (1713-1768) und seinem unvollendeten Werk "Sentimental Journey Through France And Italy" aus dem Jahr 1768.